Dienstag, 16. August 2011

Trash-TV - eine Spurensuche


von Zoé


'Agenten fürs Asoziale' nennen sie sie: die Britts, Veras und Tines und ihre vielen kleinen fleissigen Helferlein, die Deutschlands Harz-IV-Landschaften durchkämmen auf stetiger Suche nach neuem Kanonenfutter für das nachmittägliche Trash-TV, das längst auch die besten abendlichen Sendeplätzen überwuchert hat.  

Was sie eigentlich machen, fragten sich letzte Woche der Spiegel und die Süddeutsche, vielleicht auch als indirekte Reaktion auf die Geschehnisse in England. Der Spiegel fand eine bissige Antwort:  

"Sie sind gekommen, um zu helfen. Und sie gehen nicht wieder weg. Im Gegenteil, sie machen sich immer breiter. (...) Überall laufen sie auf einmal auf, die beflissenen Helferinnen, die tätscheln, belehren, mahnen. Und manchmal zur Hatz blasen. Sie sind die Elends-Scouts des deutschen Fernsehens. Sie führen den Gaffer vor dem Fernsehgerät in Wohnungen, in denen sich der Müll türmt, sie führen ihnen Männer vor, deren einzige weibliche Bekanntschaft die eigene Mutter ist, und sie präsentieren Hartz-IV-Empfänger, die zu doof sind, das Geld einzusacken, das ihnen eigentlich zusteht. Vergiftete Nächstenliebe muss man sowas wohl nennen. Denn mit dem Argument, helfen zu wollen, sammeln die Fernsehfrauen bizarres Bildmaterial, an dem sich der Zuschauer weiden darf. Perfider war deutsches Privatfernsehen noch nie."
As seen on TV - Wohnung eines "Messies"

Die Bestandesaufnahme der Süddeutschen fiel etwas nüchterner aus. Womöglich deshalb, weil aus dem Alltag einer Castingagentin für Doku-Soaps berichtet wurde, die zwischenzeitlich ihren Job an den Nagel gehängt hat, da sie die unermüdliche Suche nach menschlichem Elend auf Dauer nicht aushielt. Sie hätte oft geweint, ist zu vernehmen. Dabei wirken die Namen der betreffenden Doku-Soaps, so die Süddeutsche, auf den ersten Blick so trügerisch harmlos:

"Sie heißen 'Schwiegertochter gesucht', 'Schwer verliebt', 'Extrem schön' oder 'Mietprellern auf der Spur'. Sie locken Tag für Tag Millionen Deutsche vor den Fernseher und bescheren den privaten Fernsehsendern dank billig produzierter Sendeminuten traumhafte Renditen. Doch die sogenannten Doku-Soaps mit ihren Spielarten wie Entertaining Reality oder Scripted Reality haben einen unstillbaren Durst an unverbrauchten Gesichtern mit unglaublichen Geschichten."

Was man über die Methoden der Produktionsfirmen zur Gewinnung dieser immer neuen, unverbrauchten Gesichter erfährt, ist erschreckend: freiwillige Bewerber werden mit detaillierten Fragebögen gesiebt, um an diejenigen unter ihnen zu gelangen, mit denen es das Schicksal besonders schlecht gemeint hat. Fällt der Bewerberansturm dürftig aus, wird aktiv gecasted, will heissen: der Agent macht sich auf die Jagd. Stösst er dabei auf einen geeigneten Kandidaten, heftet er sich ihm solange an die Fersen, bis dieser idealerweise entnervt einknickt und sein Leben auf dem medialen Präsentierteller angerichtet werden kann. Mit ganz grosser Kelle, versteht sich, und für ein Publikum, dass täglich mit neuen Schreckensszenarios aus den verworfensten sozialen Verhältnissen abgespeist werden will. 


Es sind, wie ich vermute, ähnliche Milieus, aus denen Englands krawallmachende Jugend stammt. Und zumindest bei diesem Spektakel haben wir alle gebannt zugeschaut. Ich werde mir heute abend wieder einreden, dass ich im Grunde genommen Ursachenforschung betreibe, wenn ich mir die nächste Folge der englischen Serie 'Skins' reinziehe, die das Porträt einer ziemlich verwirrten, orientierungslosen Jugend zeichnet. Noch bin bei der ersten Staffel, es gibt deren vier, also habe ich einiges an Analysearbeit vor mir. Die Fernsehkritiken waren sich anfangs nicht darüber einig, wie realitätsnah das fiktive Geschehen ist. Zwischenzeitlich wurde die Wirklichkeit von der Fiktion eingeholt: so hat sich im britischen Sprachgebrauch der Begriff Skins-Party fest eingebürgert, nachdem 2007 ein Mädchen auf seiner Myspace-Seite dazu aufrief, einem 'durchschnittlichen' Familienhaus mit wüsten Feierlichkeiten den Garaus zu machen - nach Vorbild einer Serienfolge. Der damalige Schaden betrug 30.000 Euro. Der Schaden nach dem Abzug der kriminellen Jugendbanden aus den englischen Städten ist noch nicht beziffert. 

Eines weiss ich jetzt schon: das Faszinosum des Abstossenden wird mich zuhause im sicheren Fernsehsessel auch bei der nächsten Episode bisweilen wohlig erschauern lassen. Und ich werde mir dessen bewusst sein, dass ich in dieser Hinsicht den Zuschauern von Trash-TV in nichts nachstehe, obschon 'Skins' mit diversen Fernseh-Auszeichnungen geadelt wurde. Immerhin, so flüstert mir mein ansatzweise beruhigtes Gewissen ein, schaust Du nicht Vera Int-Veen dabei zu, wie sie Wohnungen vorführt, die so aussehen, als wären sie durch einen biblischen Schädlingsbefall verwüstet worden. Wobei: soviel anders ging es in dieser einen 'Skins'-Folge auch nicht zu. Allein die Stimme der Moderatorin als leidenschaftliche 'Kammerjägerin' asozialer 'Mietratten' (O-Ton Spiegel) fehlte. 

Kommentare:

  1. ich habe im obigen beitrag keine eigentliche diskussionsfrage gestellt und möchte das hiermit nachholen: hätte uns nicht der umstand, dass die oben beschriebenen sendeformate seit jahren kontinuierlich auf vormarsch sind, darauf stossen müssen, dass in unserer gesellschaft vor aller augen seit längerem etwas ganz furchtbar schief läuft? ein chronischer verlauf sozusagen, der akut aufblitzt, wenn es wieder einmal in den banlieues und neuerdings eben auch in den londoner vororten brennt.

    'skins', das als fiktive serie für sich in anspruch nimmt, glaubhaft zu sein, führt jugendliche aus den unterschiedlichsten sozialen milieus vor - migrantenkids aus diversen herkunftsländern und mit unterschiedlichem sozialstatus, englische unter-, mittel- und oberschichtkids - vor, und gerade dies macht das ganze im grunde noch bedrückender. wo man auch hinsieht: dysfunktionale familien, mütter, die ihre kinder entweder ganz im stich lassen oder dem völlig überforderten vater aufhalsen, bevor sie sich aus dem staub machen. allgemein eltern, die keine ahnung haben, was bei ihren kindern abläuft und wo sie sich des nachts rumtreiben. und auch wenn bei all dem darauf geachtet wird, so etwas wie eine hoffnungsfrohe grundstimmung beizubehalten, fragt man sich doch, was die portätierten jugendlichen dazu treibt, in fremden häusern spaghetti mit tomatensauce an die wände zu schmieren. diese sinn- und gedankenlose destruktivität ist es, die einen sprachlos zurücklässt - und einen bogen zu den jüngsten geschehnissen spannt.

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  2. Zoé, hast du nicht das Gefühl, dass das Vorführen dieser Misere (, das mich auch interessiert - wann läuft es denn? Ich möchte wohlig erschauern und stolz auf meinen geputzten Boden schauen!) eine Art medialer Kulturpessimismus ist, der uns Aufgeräumte kollektiv sagen lässt, es laufe seit längerem etwas ganz furchtbar schief. Könnte es sein, dass das gehobenes, vielstimmiges Gestöhne der Zuschauer ist, das uns ein allgemeines Gesprächsthema liefert, das legitimer ist als Rezepteaustauschen, weil wir uns gemeinsm Sorgen um die Welt machen? Wir können jetzt stöhnen, ich fühle mich dir auf alle Fälle sofort nah und verwandt, wir sind gleicher Meinung, das stärkt uns, versichert uns unserer Lebensart. Jetzt könnten wir sogar Rezepte austauschen, es wäre ein geadelter Austausch, denn wir haben uns bereits Sorgen gemacht um nichts Geringeres als die Zivilisation. - Zwetschgenwähe?

    Lief nicht immer etwas ganz furchtbar schief? Seit ein paar Tausend Jahren?

    Ob es heute weltweit mehr Gewalt und Saubuden gibt als vor hundert Jahren? Ich könnte mir vorstellen: Es sind weniger.

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  3. Das hat was. Aber zugleich denke ich: vor nicht allzu langer Zeit haben auch wir solche Haus-Parties veranstaltet, sobald das Elternvolk verreist war. Es blieben jedoch davon keine Hausruinen mit Spaghetti an den Wänden zurück.

    Jetzt höre ich mich schon wieder wie so eine unverbesserliche Matrone an. Mein müdes Hirn gibt in diesem Moment offenbar nichts Brauchbareres mehr her.

    Ich schaue mir das auf DVD an, insofern sind mir keine Sendezeiten bekannt. Aber ja, die Anschaffung hat sich definitiv gelohnt.

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  4. Dein müdes Hirn. Mein müdes Hirn, der müde Körper, kränkelnd.

    Auf meiner CD ist "Strictly Ballroom" drauf, der Kitsch-Spass der Sonderklasse. Gesehen?

    Gute Nacht, Z.!

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  5. Love, love, love it! Genauso wie das spätere 'Moulin Rouge' von Luhrmann. Davon gibt es eine chinesische Themenvariation, 'Perhaps Love', die ich nur empfehlen kann:

    http://www.youtube.com/watch?v=ECo9qWaCd_Q

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  6. nachträglich einige weitere gedankenfetzen eines immer noch müden denkorgans:

    - jugendliche, die im kollektiv demonstrativ sitzen bleiben, wenn ältere menschen im bus oder zug zusteigen
    - zu abfallhalden mutierende autobahnraststätten und stadtparks
    - eine qualitative zunahme der brutalität von jugendgewalt (über die quantitative streiten sich die experten bekanntlich)
    - eine generelle verkümmerung der sozialen umgangsformen

    dies alles scheint mir über die zyklischen schwankungen der notorischen 'o tempora, o mores' bzw. 'verfall-der-jugend'-diskurse hinauszugehen. aber ich kann mich täuschen.

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  7. Ich bin nach der Lektüre Homers skeptisch. - Scherz. Ein bisschen ernst gemeint.

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  8. jetzt habe ich lachen müssen. alternde kulturpessimistinnen sind ein graus.

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  9. Die Art und Weise wie die Krawalle in den (seriösen) Medien thematisiert werden, zeigt im Grunde schön, wie sich ein jedes Blatt bemüht, das vielgehörte Versprechen von Hintergrund, Orientierung, Einordnung einzulösen.
    kaum ein Experte blieb ungefragt, kaum eine Herangehens- und Sichtweise unerwähnt.

    Und am Ende sind wir so klug als wie zuvor. Ist das die Zukunft? Multiple-Choice, suchen sie sich was aus? Einordnung, Orientierung und Hintergrund auf allen Kanälen, eine Kakophonie der "Meinungen"?

    Dann wären wir wieder beim post-Habermasschen Begriff von Öffentlichkeit, den Jasper von Altenbockum in einem in der Latrine zitierten Artikel ins Feld brachte.

    Und wenn schon Provinzblätter aus Anlass der Ausschreitungen den Slavoj Zizek bemühen müssen ("strukturelle Gewalt des Kapitalismus") dann ist gegen die Renaissance des Feuilletons kein Kraut gewachsen; freilich ohne dadurch irgendetwas zu einem Diskurs beizutragen. Weltausschnitts-Erklärungsansatz-Skizzen, die gleichberechtigt neben einer Vielzahl von anderen Weltausschnitts-Erklärungsansatz-Skizzen stehen.

    Im postmodernen Geschwätz gehen dann selbst die Kernereignisse unter. Revolutionen werden scheitern im vielstimmigen Gerede über sie. Die Ereignisse werden recht eigentlich unbedeutend und beliebig austauschbar, Hauptsache man kann darüber schwatzen. Wie eine Party von Autisten für Autisten.

    p.s.: was derlei Fernsehgenuss angeht, kann ich ehrlich nicht mitreden, sorry. An mir ging selbst der MTV-Zeitgeist meiner Generation absolut spurlos vorüber (das ist vielleicht ein schlechtes Zeichen). Ich habe das TV-Kabel vor drei Jahren ausgerissen und versteckt. Ich habe es seither nie bereut.

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  10. o., ich würde dagegen halten und sagen: mehr als weltausschnitts-(erklärungsansatz)-skizzen sind gar nicht möglich. vor mir liegend sehe ich derzeit ein multiperspektivisches kaleidoskop, dass durchaus antworten liefert, wenngleich keine einfachen. wie sollte es auch, angesichts der komplexität des menschlichen wesens und seiner geschichte, welche sich tagtäglich fortschreibt, womöglich in zyklen, oder aber spiralförmig.

    deswegen können sie auch einfache lösungsansätze vergessen: sie sind mogelpackungen für bedürftige.

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  11. Die Welt in Facetten, in Bruchstücken, als Bruch. Disharmonisch, zickig, gefährlich, sehr, sehr dynamisch. Die Welt als ein Vielfaches an Bewusstseinsstrom sowie schmutzigen, halbschmutzigen (!) und schönen Geschichten. Real und virtuell. Die Welt als permanente Überforderung. Die Welt als grausame Zumutung.

    Seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es in Europa die klassische Kurzgeschichte, weil es schlicht nicht mehr möglich ist, "Realität" gültig in einen Roman zu verpacken im Sinne eines bürgerlichen Sittenbildes bzw. Niedergangs à la Thomas Mann. Zu vielstimmig ist die heutige Welt, zu wenig kompakt, zu grundnervös. Simple Linearität ist suspekt. Zu Recht. Sie ist widerlegt.

    Der Wunsch nach Orientierung im vermeintlichen Chaos der Auflösung von Rollen und Richtungen ist verständlich. Er äussert sich nicht nur im Islamismus und in christlichem Fundamentalismus, sondern auch im naiven Wunsch nach gesellschaftlichen, politischen, moralisch kollektiven Betty-Bossi-Rezepten, möglichst restaurativen Inhalts.

    Lösung?

    Sie ist einfach. Es gibt nämlich keine im Sinne der "Lösung".

    Was bleibt: nicht maulen, sich selbst kräftigen, sich mögen und pflegen, pfiffig und lustig und voller Neugier in die Welt schauen, hoffnungsvoll arbeiten - auch politisch. Tätig sein. Lebenslang.

    Diese Welt ist nicht schlechter als all die, die bereits untergegangen sind.

    Konstruktiv arbeiten. Für sich und für andere. Da, wo ich platziert bin, da muss ich einstehen für das Gute und Anständige mit meiner guten, ernsthaften Arbeit. Patentlösungen gibt es nicht. Es ist sackkompliziert. Das halten viele Menschen nicht aus.

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  12. Z. - Perhaps Love: zauberzauberzauber. Und dieses schlemische Lächeln, bevor der Bus fährt...

    Weibliche Schönheit und Jugend: Ach! Nur Töchter und Enkelinnen können uns trösten, dass wir sie einst gänzlich hinter uns lassen müssen.

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  13. doppelt und dreifach zu unterstreichen. nietzsche, der so viele philosophische entwürfe des 20. jahrhunderts angedacht hat, schrieb auch folgende nahezu prophetisch anmutende worte:

    "Was ich erzähle, ist die Geschichte der nächsten zwei Jahrhunderte. Ich beschreibe, was kommt, was nicht mehr anders kommen kann: die Heraufkunft des Nihilismus. Diese Geschichte kann jetzt schon erzählt werden, denn die Notwendigkeit selbst ist hier am Werke. Die Zukunft redet schon in hundert Zeichen, dieses Schicksal kündigt überall sich an; für diese Musik der Zukunft sind alle Ohren bereits gespitzt. Unsre ganze europäische Kultur bewegt sich seit langem schon mit einer Tortur der Spannung, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wächst, wie auf eine Katastrophe los: unuihig, gewaltsam, überstürzt: einem Strome ähnlich, der ans Ende will, der sich nicht mehr besinnt, der Furcht davor hat, sich zu besinnen."

    was für nietzsche als lösung blieb: die unbedingte bejahung des daseins (in der idee der ewigen wiederkunft und des amor fati). linas tätig sein.

    PS an lina: die anschaffung von 'Perhaps Love' lohnt sich noch mehr als diejenige von 'Skins'.

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  14. Welch müdes, nihilistisches Gibber-gabber. In der Postmoderne: nach der grossen Flut (also bei Ebbe) sucht sich jedes Merrestierchen seine Pfütze. Zwei junge, erfolgreiche, gebildete Damen - tönen wie zwei abgeklärte, zynische Waldorf & Statler. Machen wirs uns gemütlich mit kaleidoskopartig funkelnden Zauberkugeln v/o "multiperspektivische" Wirklichkeit/en (women are attracted by shiny objects) und mit Hedonismus, materialistisch-karnaler Selbstbefriedigung in "dynamischer, vielstimmger" süsser Ohnmacht.

    Habt ihr gekifft? Das entlockt wiederum m i r ein müdes Lächeln. In eurer Gesellschaft fühlt man sich ja fast wie ein idealistischer Jungspund!

    Der Vorteil als Konservativer ist ja, dass man allen umfassenden Welterklärungen skeptisch gegenübersteht. Also auch der Anti-Ideologie-Ideologie. Postmoderne Gemütlichkeit (--> Pfütze, oben) ist ebenso suspekt wie der Totalitarismus der Aufklärung, der selbst besonnene IntellektuelleInnen zu rasenden Kriegern für das einzige Heil verwandelt: das Jetzt ist gut ist jetzt ist gut. Ich bin gut.Und das ist gut so. Der Rest ist "widerlegt". Punkt. Zweiter Weltkrieg und so.

    Nein, nein, als Konservativer sucht man den Wiederanschluss an die alten, tiefer liegenden Narrationen. Die schlimmsten Gräuel, die Menschen anderen Menschen angetan haben, geschahen sämtlich n a c h Luther, Kant, Hegel, Marx und Freud.

    Wer hat eigentlich nach "einfachen Lösungsansätzen" gefragt? Ich nicht, Zoé. Den Lösungsansatz, vor der Komplexität einfach zu kapitulieren, finde ich aber ziemlich suspekt.

    Der tollwütig vorgetragene Vorwurf des "christlich Fudamentalistischen", "Betty-Bossy", "Restaurativ", "Bedürftige" - er geht mir am Arsch vorbei. Sackkompliziert? Nein. Das wirklich Wichtige ist immer einfach, geboren aus der Einfachheit. Gut und Böse. Ja oder Nein. Tod oder Leben.

    p.s.: mir ging es eigentlich nur um die Frage, wie in Zeiten der mannigfaltigen medialen Kanäle (mit vielen verschiedenen Öffentlichkeiten) denn überhaupt breite Konsense, so etwas wie eine Verständigung über fundamentale Werte und deren Aushandlung im demokratischen Prozess möglich ist...

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  15. Das wirklich Wesentliche ist immer einfach. Man muss nur Mozart hören, um dies zu verstehen.

    http://www.youtube.com/watch?v=2e_og7kHeZc

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  16. ich kapituliere doch nicht, sie tun es, indem sie sich in eine welt der einfachkeiten zurückziehen. gäbe es die simplen dichotomien gut/böse, ja/nein, leben/tod in reinform, es gäbe keine weltliteratur, die sich mit diesen basalen fragen der menschlichen existenz auseinandersetzt. lesen sie dostojewski.

    von mozart mag ich das requiem am liebsten, trotz komplizierter entstehungs- und aufführungsgeschcihte. ziemlich vorhersehbar. e.t.a. hoffmann hielt diese musik für 'reinen Cultus'.

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  17. Rückzug, iwo!?
    Das ist ja eine solche Tat, wie oben gemeint: das permanente Arbeiten an der Welt, Komplexität reduzieren, Deduktion und Induktion, die Phänomene analysieren, Probleme herunterzubrechen auf eine Ebene, auf der sie verständlich und entsprechend beherrschbar werden um dann gestaltend einzugreifen.

    Sie sind doch Wissenschafterin, oder?

    Nietzsches Lösung, abgeklärt, ohnmächtig, judihui das Schicksal lieben - hinterlässt das nur bei mir einen schalen Beigeschmack? "Alle Lust will Ewigkeit - will tiefe, tiefe Ewigkeit": ja, ja, schon gut. Sie werden gleich spöttisch lachen - aber geht es denn nicht auch darum, dem ganzen einen gewissen Sinn abzutrotzen?

    Ich mag, ich mag nicht - in der Kunst funktioniert dieses simple "Drück den Button" (Facebook reduziert es sogar noch und lässt nur noch das "I like" zu...) schwerlich. Man kann meinetwegen gewisse Popsongs oder Schauspieler mögen/nicht mögen. Oder Glacesorten.

    Da kann man, mit Verlaub, geteilter Meinung sein: was für den einen Weltliteratur ist für den anderen neurotisches, narzisstisches, gefühliges und egomanes Geschwurbel, Seelenpornografie bürgerlicher Herren über mehrere hundert Seiten. I like.

    So, nun "ziehe ich mich zurück" in mein Leben, das mir auf einmal (freier Tag) gar nicht mehr so sackkompliziert vorkommt und erfreue mich am Himmel, der frischen Luft und einem Kinderlachen.

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  18. als wissenschaftlerin weiss ich, dass jede (notwendige) reduktion von komplexität mit einem verlust an differenzierter betrachtung einhergeht. man nimmt letzteres im gegenzug für eine bestimmte erkenntnis in kauf, im wissen, dass man dem betrachteten gegenstand damit zugleich etwas von seiner lebensweltlichen fülle geraubt hat.

    beherrschbarkeit? ich denke, gerade in diesem punkt stossen wir in vielen bereichen momentan an unsere grenzen. die allmachtsfantasien, die uns spätestens seit francis bacon offiziell beherrschten (eigentlich aber bereits in der bibel wurzelten), haben sich so langsam ausgeträumt.

    sehen sie, für mich ist es tatsächlich so einfach: ich mag/ich mag nicht; ich bin ergriffen, oder ich bin es nicht. kompliziert wird es lediglich dann, wenn ich etwas nicht mag, es mich aber trotzdem fasziniert. dann gerate ich in gewissensnot.

    ein arbeitsfreier tag - sie glücklicher.

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  19. und es gibt sie doch, die lesenswerten analysen zu den krawallen in england:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,780827,00.html

    man möchte dem autor applaudieren, wenn er herrlich undogmatische dinge schreibt wie: "Die Neoliberalen können jetzt neben den Linken ihren Platz auf dem Scherbenhaufen der Ideologien einnehmen.", oder: "Eine Demokratie ohne Demokraten hat keine guten Aussichten."

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  20. Los, O., in die Politik mit dir! Was machst du hier überhaupt?

    Z., halten Sie die Stellung! Ich muss nullkommaplötzlich komatöhse Gschpöhnli erfühlen.

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  21. o., ein kleiner nachtrag zu nietzsche am rande: ich denke, sie verstehen nietzsches nihilismus falsch. der mann wollte nur zu gerne glauben, konnte aber nicht (mehr). insofern war die vorstellung des amor fati durchaus so etwas wie der persönliche versuch einer zutiefst gequälten seele, 'dem ganzen einen gewissen sinn abzutrotzen'.

    lina, habe ich schon einmal erwähnt, dass ich eine schrecklich neugierige person bin? bei solchen kommentaren springt jedenfalls meine fantasie-maschine zuverlässig auf hochtouren an.

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  22. Also ehrlich gesagt, ich weiss nicht wirklich, ob's so ein Trasch-TV braucht, um zu merken, dass da und dort vielleicht etwas schief läuft.
    Hab jedenfalls selbst noch nie so was gesehen, am TV, meine ich.
    Ob's vielleicht sogar Trash-Reality ist?
    Für einige, jedenfalls?

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  23. die frage ist doch nicht, ob man diese trash-formate kennen muss, um soziale schieflagen zu erkennen. die frage ist vielmehr, weshalb sie sich in den letzten jahren so unheimlich vermehrt haben. was für ein publikumsbedürfnis dahintersteckt.

    in den usa gibt es auch das umgekehrte phänomen: nicht nur die unteren schichten drängen ins fernsehen, auch die gutgestellten geben sich die blösse. in sendungen wie 'the real housewives' kann man ihnen dabei zusehen, wie sie ihre weltbewegenden probleme (gepflegte vorstadt-langeweile, botox-behandlungen, zickenkriege) am bildschirm ausbreiten. voyeurismus und exhibitionismus halten sich die waage.

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  24. um es auf den punkt zu bringen: mich interessiert das gesellschaftsbild, das sich in der medialen aufbereitung spiegelt. die kritischen rückschlüsse, die man daraus (allenfalls) ziehen kann. meine behauptung: man wird mehr vom zustand der englischen jugend verstehen, wenn man sich 'skins' ansieht, als wenn man dem gegenwärtigen rauschen des feuilleton lauscht. aber gut, trash-tv ist das nicht. vor dem erkenntniswert des echten trash-tv graut es mir in einer unguten weise.

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  25. Zoé: Die Frage ist nicht nur das Publikumsinteresse an solchen Formaten, sondern die Frage ist auch, wie Interessen geschaffen werden. Wenn nämlich nichts anderes mehr läuft als solcher Scheissdreck, schauen alle solchen Scheissdreck. Er ist das Opium fürs Volk. Diese Formate sind Gehirnwäsche, die uns sagen soll, dass wir eh nur alle white trash sind, aber wenigstens immer noch nicht ganz so weit unten wie die Idioten, die darin abgebildet werden.

    Und was den Spiegel-Artikel, den Sie empfehlen anbelangt: Der Autor macht den üblichen Fehler, dass er im Vorbeigehen die Liberalen mit den Konservativen vermischt und dann macht er das, was alle machten. Er behauptet, dass die "Rechten" in England Bürgerwehren gebildet hätten. Damit bezieht er sich auf die EDL, die einfach ihre Organisationsfähigkeit dazu nutzte, gewisse Quartiere vor dem Abfackeln zu bewahren. Er regt sich darüber auf, dass irgendwelche Anderen unanständig seien, aber er selber ist es ebenfalls. Einerseits dürfen auch Rechte sich in allen möglichen Formen organisieren, denn es ist (noch nicht) verboten, rechts zu sein und andererseits wurden Sikhs, Moslems und Hindus, die sich in gleichen Verteidigungsbündnissen zusammenschlossen, weitum gefeiert. Was für eine Heuchelei, wenn man es gleichzeitig als amoralisch darstellt, wenn Rechte (wobei die EDL durchaus politisch und ethnisch heterogen ist) und Weisse sich ebenfalls organisieren und es nicht hinnehmen möchten, dass irgendwelche durchgeknallte Gangsta-Einwanderer ihnen die Häuser abbrennen oder die Läden ausplündern.

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  26. hitz, mit dem opium für das volk machen sie es sich etwas zu einfach. aus der medienwirkungsforschung weiss man, dass es keine einfachen sender-empfänger-modelle gibt, wie man es früher beispielsweise für die nazistische und stalinistische propaganda angenommen hat. der erfolg von trash-tv ist durchaus darin zu suchen, dass damit ein intrinsisches bedürfnis der zuschauer befriedigt wird. insofern sind wir medialen beeinflussungen nicht hilflos ausgeliefert - aber das macht die wucherung dieser sendungen im grunde genommen nur noch bedenklicher, meinen sie nicht auch?

    wenn ich einen artikel empfehle, dann heisst das in der regel nicht, dass ich in allen punkten damit einverstanden bin. womöglich gefällt mir die allgemeine stossrichtung, oder aber es lässt sich in einer art negativen gegen-den-strich-lektüre etwas daraus gewinnen (hier war ersteres der fall). zur EDL: ich kenne mich in diesem bereich zu wenig aus, aber wenn man sich bilder dieser leute anschaut, dann scheint sich zu bestätigen, dass der kernbereich der gruppierung aus der englischen hooliganszene stammt. auch dazu gibt es eine eindrückliche filmische milieustudie, die 'green street hooligans':

    http://www.youtube.com/watch?v=EAe-1Lv1KYU

    interessant ist die beobachtung, dass sich die szene keineswegs ausschliesslich aus dem unteren gesellschaftssegment speist, wie man zunächst annehmen würde. auch mit dem naheliegenden vorwurf des rechtsradikalismus sollte man zugegebermassen vorsichtig sein.

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  27. @Hitz: sehr schön, grösser als die Verachtung für "das System" ist nur noch die Verachtung für die eigene, weisse Unterschicht, die sich partout nicht dem politisch korrekten Gebot von "Toleranz" unterordnen will und dem Anderen, Fremden alles Recht der Welt einräumt, weil es von unseren schlechten Vorfahren so unterdrückt wurde.

    Die Verachtung für die eigene Unterschicht existiert freilich auch in der Schweiz. Auch hier wurde ein Stadt-Land-Graben beschworen, nur um nicht ausdrücken zu müssen, was tatsächlich dahinter liege: Leute aus sog. "bildungsfernen" Schichten (Land) seien skeptischer gegen Zuwanderung eingestellt als die urban-gebildeten Erleuchteten, die - wie als Beweis wird das dann jeweils angeführt - alle links wählen.
    Dass eine kleine Landgemeinde mit 15 Asylbewerberfamilien, die sich schlecht "integrieren" lassen, eine etwas andere Sicht auf die Problematik hat, als jemand der in der Stadt Zürich wohnt, wo besagte Fremde irgendwo im Industrieviertel einquartiert sind oder sich schön irgendwo zwischen 35000 Bewohnern verteilen, fällt niemandem ein.

    Kleinbürger, Gewerbler, Kleinunternehmer, grosse Teile der früheren Arbeiterschicht - sie werden als "Isolationisten", Nein-Sager, latente Rassisten, rückständige Wutbürger diffamiert. Dabei bilden sie nicht nur ökonomisch das Rückgrat dieser Gesellschaft.

    Nach der Minarettinitiative gab der irakisch-schweizerische Regisseur Samir zu Protokoll: es rächten sich nun die jungen Schweizer aus dem Kleinbürgermilieu mit Fachhochschulabschluss, die allmählich zu gut ausgebildeten Ausländern (etwa aus Deutschland) in Konkurrenz gerieten.

    Man sieht: die kleine, dünne Schicht von in der Stadt Lebenden, meist (geistes)wissenschaftlich Gebildeten, links Wählenden hat ein gerüttelt Mass an Verachtung für den Rest der "eigenen" Bevölkerung übrig. Muss man noch erwähnen, dass es diese Leute sind, die übrproportionalen Zugang zu den medialen Kanälen hat?

    Das spüren die Menschen. Diese Verachtung. Kann es ihnen jemand verübeln - dass diese Leute immer gerne mal wieder zeigen, wer Herr im Haus ist?

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  28. 350'000 Einwohner hat Zürich, natürlich!

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  29. ähm, o., seit wann sind kleinbürger, gewerbler, kleinunternehmer, büezer etc. weisse unterschichten? den studierten eine kollektive verachtung für den rest der bevölkerung zu unterstellen, zeugt zudem von einer umgekehrten arroganz.

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  30. @Zoé: Sie haben Recht, dass das Bedürfnis nach solchem Schrott da zu sein scheint, aber ich behaupte, dass dieses Bedürfnis über die Jahre systematisch aufgebaut wurde. Ich behaupte ausserdem, dass genau solche Sendeformate eine Art Herrschaftsinstrument sind, das den Plebs dumm, beschäftigt und amüsiert halten soll.
    Was die EDL anbelangt, so ist es durchaus zutreffend, dass diese in ihrer Anfangsphase sich vor allem aus sogenannten "Casuals" rekrutierte. Ich sehe allerdings bis heute nicht ein, was das über die EDL aussagen sollte, ausser vielleicht, dass sie dadurch weniger bereit ist, sich von irgendwelchen Moslem-Gangs auf die Fresse hauen zu lassen. Die Gleichsetzung Hooligan (oder eben "Casual")= Rechtsradikal ist ohnehin unhaltbar und von den Mainstream-Medien erfunden worden, um diese bösen Rabauken besser in den Senkel stellen zu können.
    Ausserdem hat das alles letztlich überhaupt nichts mit den Positionen der EDL zu tun, die sich jeder des Lesens kundige Mensch auf www.englishdefenceleague.org anschauen kann.

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  31. @O: In der Tat sind es solche Aussagen wie die von Samir, die einem ganz behutsam auf den Kern des Problems hinweisen, aber nicht so, wie Samir es gerne möchte. Vielmehr offenbart diese Aussage, dass Samir eigentlich denkt, dass die jungen Schweizer es völlig widerspruchslos oder am besten noch begeistert hinnehmen sollten, wenn sie in ihrem eigenen Land beruflich von Ausländern konkurrenziert und sozial bedroht werden.
    Das ist der heute allerorten vorhandene Geist des Multikulturalismus, der hier spricht. Es ist gut, wenn möglichst viele Fremde ins eigene Land kommen (wenn dieses Land ein Westeuropäisches oder dem westlichen Kulturkreis angehörendes ist). Es ist gut, wenn die heimische, gewachsene Kultur verdrängt wird. Es ist gut, wenn die Einheimischen in unseren Ländern plötzlich die kürzeren Spiesse im Überlebenskampf zugewiesen bekommen. Es ist gut, wenn unsere Politiker nicht mehr unsere Interessen in erster Linie vertreten, sondern diejenigen von Einwanderern. Es ist gut, wenn die Einwanderer vor Diskriminierung geschützt werden, wir hingegen nicht. Es ist auch gut, wenn unsere Steuergelder zur Förderung von Einwanderern, für Entwicklungshilfe in aller Welt und für eine völlig undurchsichtige und undemokratische EU ausgegeben werden. Es ist auch gut, wenn öffentlicher Konsens ist, dass es keine westeuropäische Identität gibt, sonst aber auf die kulturellen Identitäten noch des letzten Kopfjägers aus Papua-Neuguinea Rücksicht genommen werden muss. Es ist auch gut, wenn die Menschen aus Westeuropa zunehmend vergessen und zum vergessen genötigt werden, dass Westeuropa eigentlich eine Weltgegend mit weisshäutigen Menschen wäre.
    Das ist alles gut in der Ideologie des Multikulturalismus und daher ist diese Ideologie schlecht für uns.

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  32. panem et circenses - wenn sie diesen gedanken spinnen wollen, hitz, dann sollten sie aber auch die nachfolgende frage stellen: cui bono?

    auf den punkt mit dem rechtsradikalismus bin ich deswegen zu sprechen gekommen, weil in medien-bildern und interviews zur EDL auffallend oft tätowierte glatzköpfe etc. auftauchen. eine aussagekräftige bestandesaufnahme, zufall oder gezielte inszenierung? mir fehlen wie gesagt genauere kenntnisse. die beiden hauptprotagonisten in 'green street hooligans' sind jedenfalls studierte - ein englischer geschichtslehrer und ein amerikanischer ivy-league-geschichtsstudent.

    das programm der EDL muss ich mir ein anderes mal in ruhe ansehen.

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  33. und o., hier noch ein zweiter lesenswerter artikel zu england, diesmal nicht aus der polemischen ecke. doch, nach einer solchen lektüre fühle ich mich orientierter, auch wenn bezeichnenderweise weder simplifizierende erklärungsversuche noch lösungsansätze skizziert werden. dennoch würde ich meinen, dass der text eine ganz passable komplexitätsreduktion leistet, indem er die verschiedenen problemfelder analytisch einkreist und einander synthetisch gegenüberstellt.

    http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/das_grosse_aufraeumen_1.11968881.html

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  34. Aha, tätowierte Glatzköpfe sind Rechtsradikale. Hm, ja. Nicht gerade sehr street wise, Zoé.

    Ich sprach doch nicht von "Studierten", Zoé! Kennen sie die Sinus-Milieus? Schauen sie sich das an und machen sie für sich eine Liste, wo sie NICHT dazugehören. Und dann beantworten sie als "Studierte" für sich die Frage: wodurch grenze ich mich von denen ab. Und sie werden (vermutlich) feststellen 1) ich bin eine kleine Minderheit und 2) mit den anderen habe ich weder sozial zu tun noch verstehe ich deren Anliegen und 3) meine soziale Lebenswelt ist ziemlich gut wenn nicht übervertreten in öffentlichen Diskurs.

    Mich interessieren Meinungs-Eliten und wie sie sich Zugang zur Öffentlichkeit verschaffen, wie sie Einfluss nehmen und partizipieren am öffentlichen Diskurs.

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  35. @Lina: in der Politik wäre ich schon längstens und mit Lust, wenn ich dadurch nicht massive berufliche Nachteile in Kauf nehmen müsste. Schau doch du, dass dein sinkendes FDP-Schiff wieder geflickt wird und auf den richtigen Kurs kommt.

    Haha, die FDP als Titanic, die SVP als Eisberg. Frauen und Kinder zuerst!

    Ich befürworte ja die Weiterreise mit dem Eisberg und dem Dampfer als schnöseliges Beiboot. Aber ihr wollt ja nicht. Ihr sinkt lieber.

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  36. o., ich sprach über mediale inszenierung und wie sie auf den durchschnittlichen zuschauer wirkt. der tätowierte glatzkopf geistert nun mal in vielen köpfen immer noch als parademetapher für skins und andere rechtsradikale gruppierungen rum. oder wollen sie den gegenbeweis anführen?

    wissen sie, wir studierten kommen keineswegs alle aus einem gutbürgerlichen umfeld, noch sind wir alles gut- und grossverdiener. das bewahrt den einen oder anderen von uns davor, die soziale bodenhaftung zu verlieren. und wenn sie sich anschauen, welche politischen positionen im öffentlichen diskurs derzeit am präsentesten sind, dann sind das in der schweiz sicher nicht die linken. das war vielleicht mal so, gilt jedoch längst nicht mehr. bedenken sie dabei auch: auch negative publicity ist im zweifelsfall publicity.

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  37. Ja, im Moment ist das (endlich) etwas ausgewogener. Aber warten wir's ab: der Wahlkampf beginnt erst. Mal sehen, was sich die linken Wahlhelfer in den Redaktionsstuben alles einfallen lassen um die rechtskonservative Bewegung zu verunglimpfen.

    Die "Anständigen" liegen in Lauerstellung.

    Vorgespurt hat ja schon das aristokratische De Weck'sche Staatsfernsehen: Wie ein Quell gütiger Weisheit und nicht-populistischer Huld soll es aus dem Leutschenbach auf das stupide Volk herabregnen - weg von der Konfrontation, hin zum freundlichen Verlautbarungsgeflüster der Mitteparteien. Gähn!
    Möglichst die wirklichen Spannungen und Probleme und das Aufzeigen von Differenzen aussen vor lassen!
    Das ist auch eine Form der Realitätskonstruktion. Fragen sie hier auch: cui bono?
    Oder sollte man wohl eher fragen: cui malo? Zu wessen Schaden. Die Antwort ist ja wohl klar.

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  38. Weshalb der "Erfolg"?

    Deshalb:
    Es gibt so ne Grenze nach unten, wo sich's nicht mehr lohnt, gegen oben zu buckeln.

    Aber gegen unten zu treten verschafft (wirklich?)
    so ne Art "Luft" - momentan, wenigstens!

    Und wer noch nicht GANZ unten ist, freut sich, dass es welche gibt, denen es noch miserabler geht.
    NEIN, das muss keine Schadenfreude sein!
    Sondern Freude, wenigstens das eigene Level halten zu können.
    Aber ich fürchte dennoch: es ist die Schadenfreude.
    Aber irgendwie ist das ja die letzte Freude ..?

    Aber Achtung:
    Wer GANZ UNTEN ist, kann nur noch nach oben treten!

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  39. fufi, das ist so in etwa das grauen, das mich beim nachdenken über die trash-formate befällt. dennoch möchte ich mir ein menschenbild bewahren, dass nicht von sozialdarwinistisch-deterministischen annahmen geprägt ist. es gibt noch alternativen zum treten/buckeln, oder sollte ich mich da täuschen?

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  40. Nein, für einen richtigen Linken gibts nur unten und oben, Zoé. Das bestimmt sein Weltbild. Oder besser: schränkt es ein.

    Denn, was unser lieber Fufi ganz wegblendet, ist, dass es denen, die nicht ganz unten sind, sondern durch eigene Kraft in der Mitte (und dort eher unten), dass es denen mieser geht als denen, die nach dieser Lesart "ganz unten" sind. Weil sie nämlich so ULTRA-DOOF sind jeden Tag ganz früh aufzustehen und in irgendwelchen Scheissjobs einen Lohn verdienen, von dem der Staat wieder einen ganz grossen Brocken nimmt, damit die "ganz unten" ausschlafen können und ein ordentliches Sackgeld kassieren!

    Willkommen in der Schweiz! Beim Schalter Links vorne gibts Willkommensgeld. Wir habens den doofen White Trash-Schweizern abgenommen. Muahahahaha!

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  41. gestern gesehen: eine herrliche satire auf die mechanismen von trash-tv, aus der feder der south park-autoren:

    http://www.southparkstudios.com/full-episodes/s13e10-wtf

    es lohnt sich, die werbung am anfang über sich ergehen zu lassen.

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