Dienstag, 26. Juli 2011

Norwegen - "Sag mir was du liest und ich sage dir wer du bist"?

Nach dem Amoklauf in Norwegen quillen die heimischen und besonders die deutschen Diskussionsforen über vor munkelnden Schuldzuweisungen und giftigen Attacken gegen echte und vermeintliche „Islamkritiker“, „christliche Fundamentalisten“ und „rechtpopulistische“ Kreise, Parteien und Exponenten. Diese trügen eine Mitschuld an dem grausamen Massenmorden des Anders B. Breivik von Oslo und Utroya. Auf gewisse Weise, im Schock über das Geschehen, ist dies vielleicht verständlich, aber trotz allem ist es komplett fehlgeleitet und unfair!


Dieser Blog verurteilt aufs schärfste jede Art von terroristischer Gewalt und spricht sich dezidiert gegen extremistische Spielarten aller Denkschulen aus - sei es von Links oder von Rechts. Dieser Blog steht für die Kultur des Diskurses, der freien Meinungsäusserung und der Kraft guter Argumente. Wir verneigen uns vor dem norwegischen Volk, das in diesen schweren Tagen die schwierige Aufgabe hat, trotz aller Trauer und Wut die Werte der Demokratie, der freien, offenen Gesellschaft und der Menschlichkeit hochzuhalten.

May God be with Norway!

Einer der im Manifest "Europa 2083" des Anders B. Breivik namentlich genannt wird, ist der deutsch-polnische jüdische Publzist Henryk M. Broder. Broder setzt sich jetzt in der deutschen Zeitung Die Welt mit folgenden Zeilen gegen die pauschale und fiese Hetze gegen ihn als angeblichen „geistige Mittäter“ eines der schlimmsten Massenmordes der neueren Geschichte zur Wehr:


von Henryk M. Broder


Das also ist eine Kausalkette: Vor etwa fünf Jahren habe ich einer holländischen Zeitung ein Interview gegeben, in dem ich sagte, wenn ich jünger wäre, würde ich Europa verlassen und in ein Land ziehen, das nicht von einer schleichenden Islamisierung bedroht wäre.Dieses Interview wurde von dem islamkritischen norwegischen Blogger „Fjordman“ in einem seiner Texte zitiert. Der „Fjordman“-Text („Islamisation and Cowardice in Scandinavia“) findet sich nun in voller Länge in dem „Manifest“ des Norwegers Breivik wieder, der bei zwei Anschlägen 76 Menschen ermordet hat. Und schon bin ich – mit anderen Gesinnungsgenossen und -genossinnen – für die Anschläge verantwortlich:„Wilders, Sarrazin und Broder mitsamt der Euterclique können stolz darauf sein, diese Brut mit ihrer ,Streitkultur' aufgezogen und gehätschelt zu haben, die im Namen der Freiheit, der christlich-demokratischen Nächstenliebe, alle ,Gutmenschen', Linke, Liberale und Muslime, die nicht mit dieser kranken Gedankenwelt d'accord sind, zur Zielscheibe manifestiert haben. Das, was in Oslo passierte, ist einzig auf das Konto dieser angestoßenen ,Schicksalsfrage' zuzuschreiben…“ – stellt Ercan Tekin auf der Seite „Turkishpress“ unter der Überschrift „Wilders, Sarrazin, Broder – geistige Brandstifter?“ fest, wobei das Fragezeichen eine eher rhetorische Funktion hat.Mit der „Euterclique“ sind Seyran Ates, Necla Kelek, Güner Balci, Cigdem Toprak und andere Journalistinnen gemeint, die dem Mitarbeiter von „Turkishpress“ dermaßen zuwider sind, dass er sich nicht dazu überwinden kann, sie beim Namen zu nennen.
„Intoleranz, Hass – und nun sogar Massenmord“
Etwas feiner, aber nicht weniger deutlich formuliert es Patrick Gensing auf der Homepage von tagesschau.de. „Der Kampf der Rechtsradikalen für mehr Freiheit“ sei ins „Gegenteil“ umgeschlagen, die „Konsequenzen“ seien „Intoleranz, Hass – und nun sogar Massenmord“.Er rundet seine Analyse mit dem Rat ab: „Vielleicht gibt das bürgerlichen Kreisen in Deutschland, die gerne mit vermeintlichen Tabubrüchen kokettieren, auch endlich zu denken.“ Gensing schmeißt nicht nur „Rechtsradikale“ und „bürgerliche Kreise“ in einen Topf, er wirft beiden das Gleiche vor: mit „Tabubrüchen“ dem Massenmord den Weg geebnet zu haben.Das ist so logisch und überzeugend, als würde jemand Kannibalen und Veganer gleichzeitig für den Niedergang der Esskultur verantwortlich machen.Dennoch habe ich für diese Art der Argumentation ein gewisses Verständnis. Die Tat des Norwegers ist dermaßen ungeheuerlich, so abseitig und unbegreiflich, dass man versucht ist, irgendeine Erklärung für sie zu finden, um nicht selber irre zu werden.
Spaß am Töten?
Wer Lebensmittel im Supermarkt klaut, der hat Hunger, wer nachts Autos abfackelt, der hat was gegen Reiche, wer ein Kind missbraucht, der hatte selbst eine schwere Kindheit. Was aber hat einer, der als Polizist verkleidet Kinder und Jugendliche wie herumfliegende Tonscheiben abknallt? Wie wäre es damit: Spaß am Töten?Das freilich ist in einer Gesellschaft, in der alles – vom Alkoholismus bis zum Klimawandel – rational erklärt und belegt werden muss, kein zulässiges Argument. Die Verrückten sitzen im „Big Brother“-Container oder bekriegen sich im „Dschungelcamp“, draußen laufen nur vernunftgesteuerte Menschen herum, die genau wissen, wo es derzeit die besten Sonderangebote gibt.Und wenn sie sich dennoch verlaufen und abstürzen, tritt die Ursachenforschung in Aktion. Ja, hätte man Hitler damals an der Kunstakademie angenommen, wäre er nicht in die Politik gegangen, wäre der Zweite Weltkrieg ausgefallen, würde Wroclaw noch immer Breslau heißen.Und hätte der blonde und blauäugige Norweger nicht Broder und Sarrazingelesen, sondern Patrick Bahners und Roger Willemsen, wäre er nicht zum Massenmörder geworden.
Umgekehrt wird ein Schuh daraus
Ich weiß, ich vereinfache, ich versuche nur, mit der Gegenseite Schritt zu halten, die mit einer Schamlosigkeit sondergleichen versucht, sich einen moralischen Vorsprung zu verschaffen, indem sie die Verantwortung für einen Massenmord „Islamkritikern“ von Ates bis Sarrazin, von Broder bis Wilders in die Schuhe zu schieben versucht. Umgekehrt wird ein Schuh daraus
Breivik ist ein Monster in Menschengestalt, dumm ist er nicht. Er hat seine Tat sorgfältig vorbereitet. Dazu gehört auch jenes „Manifest“, in dem außer mir auch andere bekannte „Islamkritiker“ wie Richard Rorty, Immanuel Kant undFranz Kafka erwähnt werden.Breivik wusste, dass er seine Tat „rational“ begründen muss. Und das hat er nicht bei mir und Thilo Sarrazin gelernt, sondern bei Mohammed Atta und Osama Bin Laden, bei den Attentätern von Madrid, London, Mumbai, Bali; bei Carlos, dem Schakal, und den „Märtyrern“, die ein Video aufnehmen, bevor sie ins Paradies aufbrechen.Und wann immer ein Terroranschlag passiert war oder im Ansatz vereitelt wurde, von den Semiprofis der Hamburger Zelle bis zu den Amateuren der Sauerland-Gruppe, eilten sofort Experten an den Tatort, das heißt in die nächste Ausgabe der „Tagesschau“, um die Mutter aller Fragen in den Raum zu stellen: Wie verzweifelt müssen Menschen sein, die so etwas tun?
Suche nach mildernden Umständen
Diese Frage war immer der Auftakt zu der Suche nach mildernden Umständen. In einer der ersten Stellungnahmen zu „9/11“ räsonierte Günter Grass darüber, welche Schuld „wir“ daran haben, dass „sie“ uns so hassen müssen.
Nach dem Mord an Theo van Gogh mochte sich kein Kommentator den Hinweis verkneifen, der holländische Filmemacher habe viele Muslime „beleidigt“; wie später der dänische Zeichner Kurt Westergaard, der seinen Beinahe-Mörder mit einer Mohammed-Karikatur herausgefordert hatte.Breivik hat das alles mitbekommen. Gut möglich, dass er sich gedacht hat: „Was die können, das kann ich auch.“ Und hätte er sich als Ziel nicht ein Ferienlager der Sozialistischen Jugend ausgesucht, sondern eine amerikanische Einrichtung oder eine israelische Sportlergruppe, wären die Differenzierer und Versteher wieder unterwegs: Schrecklich, diese Tat, aber…Auf Wikipedia findet man eine Liste der „suicide bombings“ im Irak im Jahre 2010. Es sind Dutzende von Anschlägen mit Hunderten von Toten. Ich kann mich an keinen einzigen Bericht erinnern, in dem die Frage gestellt worden wäre, was die Terroristen gelesen hatten, welche Art von Lektüre sie zu ihren Taten animiert hatte.
John Stuart Mill raus aus den Regalen!
„Die Verdammten dieser Erde“ von Frantz Fanon? Oder die Biografie von Alfred Nobel? Denn sie hatten, anders als der Norweger, kein „Manifest“hinterlassen, gespickt mit Literaturhinweisen.Breivik hat auf seinem Twitter-Account ein Zitat des englischen Philosophen J.S. Mill (1806–1873) gepostet: „Ein Einziger mit seinem Glauben wiegt 100000 andere auf, die nur Interessen haben.“Von Mill stammt auch der Satz: „Es ist besser, ein unzufriedener Mensch zu sein als ein zufriedenes Schwein.“ Höchste Zeit, die Werke von John Stuart Mill („On Liberty“) von den Regalen zu nehmen und sie durch die Arbeiten von Richard David Precht („Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?”) zu ersetzen.

Kommentare:

  1. Cédric Wermuth, JUSO-Chef, sagte gestern, er wolle kein Kapital aus den Ereinissen schlagen. Seine Social Media Agents in den Foren sehen das ein wenig anders.

    In Zeiten, wo gläubige Katholiken unter- oder oberschwellig einer Mitschuld an den Missbrauchsfällen geziehen wird erstaunt mich gar nichts mehr.

    Die Kommentarspalte unterhalb von Broders Eintrag goleicht einem Schlachtfeld, die Hälfte der Kommentare "wurden entfernt". Soviel zum Klima des Hasses.

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  2. Fragen zum Politcamp werden laut: http://edition.cnn.com/2011/POLITICS/07/25/beck.norway/index.html?hpt=hp_t2

    Am Tag vor dem Attentat fand dort eine Anti-Israel-Demo (mit Boykottaufruf) unter Teilnahme des norwegischen Aussenministers statt.http://www.pi-news.net/2011/07/utoya-jugendliche-dachten-an-pali-theater/

    Wozu sind Sicherheitsleute gut, die ihre Schutzbefohlenen im Notfall nicht verteidigen könen, weil sie gar keine Waffe tragen? http://evaziessler.wordpress.com/2011/07/25/wehrlose-burger-in-norwegen/

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  3. mich hat das rundherum pietätslose treiben in den kommentarspalten des tages-anzeigers am tag nach der tat derart erschüttert, dass ich danach gar nicht mehr reingeschaut habe. wenn es nach einzelnen stimmen ginge, dürften befürchtungen und ängste weiter teile der bevölkerung sowie bestehende missstände nicht mehr offiziell thematisiert werden, weil erstens das 'volk' sowieso keine ahnung hat und zweitens die benennung von straftaten und sozialmissbrauch per se zum rassenhass aufwiegelt. ergo sollten wir schweigen und alle kritischen themen politisch korrekt unter den gesellschaftlichen teppich kehren.

    nur: genau diese vogel-strauss-politik lässt in der vor sich hin schwelenden dunkelheit des unterbundenen dialogs täter wie breivik grosswerden. wir sind deshalb in der verantwortung, einen klaren, differenzierten und respektvollen austausch über politische und soziale problemfelder zu führen. wenn ich mir allerdings die rechte kraftmeierrhetorik und die linke augenwischerei anschaue, dann sehe ich diesbezüglich schwarz.

    having said that: mit seiner biologistisch unterlegten argumentationsweise steht sarrazin in meinen augen auf einem anderen blatt als broder. dies sollte man in im freien gespräch auch äussern dürfen.

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  4. Ihr Titel ist vielsagend gewählt, o.

    ich meine, die aktuellen gewissensbereinigungen und fingerstreckübungen auf die rechte seite in "allen" medialen kanälen, sollten sich u.U. einmal gedanken machen, was sie mit ihrer verkennenden schreibe (und nein, das offensichtlich kaputt-kranke handeln ist nicht gemeint) zur gesellschaftlichen entwicklung und meinungsbildung der einzelnen menschen dazutun.

    daher ist es für mich ein knieschnuss der herrschenden medien, nun das ursächliche auf einer seite zu erkennen und die eigenen positionen als "weiss&rein" zu malen.
    denn ganau dies (unterlassung der kritischen reflexion) war die nahrung für den aktor.

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  5. zysi, wie sie meinem obigen kommentar entnehmen können, stimme ich ihnen vollumfänglich zu. die gegenwärtig öffentlich vollzogenen akte der gewissensbereinigung (wie sie es nennen), wahlweise im ton der selbstgerechten oder blindwütigen empörung, müssen einem zu denken geben, denn: spielt man mit dieser teils künstlich hochgeschaukelten verfestigung der fronten nicht genau dem anliegen breiviks in die hände? war nicht die spaltung der gesellschaft entlang ideologischer kampfzonen sein hauptsächliches anliegen?

    anbei noch ein ausgezeichneter artikel über güner balci, die auf der website von turkishpress.de in einem zusammenhang mit dem massenmord in norwegen genannt wird. als seconda kann ich viele ihrer aussagen nur unterstreichen.

    http://www.sueddeutsche.de/medien/guener-balci-thilo-sarrazin-bei-aspekte-mediale-kettensaege-1.1124212

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  6. Da gab es in den letzten Tagen ja viel zu lesen in den Zeitungen und weitestgehend sind sich alle einig: Wenn Konservative, Katholiken oder "Islamkritiker" im weitesten Sinne, ihre Meinung äussern, dann ist das etwas ungeheuer gefährliches und das laute Nachdenken darüber, ob man solche Meinungen nicht einfach verbieten sollte, ist nahezu ohrenbetäubend.
    Faszinierend dabei ist, dass die selben Drecksblätter, die jetzt diesen Unsinn in die Welt setzen, sich regelmässig darin überschlagen, zu erklären, dass der Islam nichts mit Islamismus zu tun habe (obwohl der Koran voller Mordaufrufe ist, während es kein einziges Schreiben eines Islamkritikers gibt, in dem er zum Töten von Moslems oder Linken aufruft), wenn wieder mal eine Bombe x Unschuldige zerrissen hat. Aber natürlich: Das lustige Suizidbomberstadel besteht auch nicht aus blonden, weissen, nordischen Bestien (eine Freude für jeden Journalisten, diese Haarfarbe zum Nebenthema zu machen. Man stelle sich mal vor, wie auf die gleiche Weise über das krause Haar eines afghanischen Taliban sinniert würde).
    Ich halte diesen Breivik für krank und ebenso seine allfälligen Mittäter (die Abschussquote von 65 Menschen auf einer anscheinend dichtbewaldeten Insel innert 90 Minuten erscheint mir für einen Einzelnen, der kein Mitglied einer militärischen Eliteeinheit ist, viel zu hoch). Ich halte aber auch die Journaille und die Politiker für krank, die sich jetzt daranmachen, Gedankenverbrechen zu konstruieren, wenn auch auf eine andere Art und Weise.

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  7. Ich bin einerseits geneigt zuzustimmen bezgl. der Geistesgestörtheit des Täters.
    Andererseits fehlen in diesem Fall wohl einfach noch die Begrifflichkeiten - weiss jemand von ähnlich brutalen Massenmördern die in einem Nicht-Kriegszustand, allein und in einem Durchlauf so viele Menschen getötet hat und erst noch "Eye-to-eye", nicht mit einer Bombe, nicht mit einem Maschinengewehr, sondern von Hand, mit einzelnen Hinrichtungen? Mir käme niemand, kein vergleichbarer Fall in den Sinn.

    Am Ende wird folgendes darüber entscheiden ob er als Verrückter gilt oder nicht: wie kann er uns, wie kann er der Zivilisation am wenigsten schaden? Sagen wir es so: Wenn er nicht irre, sondern bei voller geistiger Gesundheit ist (und voll schuldfähig, was er selber auch weiss), dann muss man seine kriminelle Tat als allein und ausschliesslich politisch motiviert betrachten, wie er es selber am liebsten hätte (und was man gemeinhin bei den anderen Terroristen auch tut - seien dies Islamisten oder RAF-Mitglieder, deren Blutzoll sozusagen ein Kollateralschäden in einem Kriegsakt darstellt). Wenn er aber ein Irrer ist, dann ist das Motiv nicht mehr so wichtig, dann geschah, was geschah, weil sein Hirn nicht richtig funktionierte und die Toten sind dann tragische Opfer von etwas Entsetzlichem, das aber innerhalb des menschlichen Bandbreite an Psychoerkrankungen vorkommen kann und innerhalb des Risikos des Lebens sich bewegt, wie ein Flugzeugabsturz.

    Das wird sehr spannend, welchen Weg wir in diesem Fall wählen werden!

    Als ausgewiesener "Islamkritiker" sind sie natürlich jetzt ein ganz verdächtiger, Herr Hitz!
    Und Zysi als Bibelchrist ist auch im Verdacht, ein Klima geschaffen zu haben, das so etwas ermöglicht hat! Und erst zoé mit ihrem Nietzsche (Breivik hat meines Wissen keinen Nietzsche gelesen, war ihm wohl zu schwierig - auch ausgerechnet Knut Hamsun fehlt in der Literaturliste, der grosse konservative Norweger)!
    Ich stehe ohnehin unter Generalverdacht, mit meinen Kreuzrittern und Karwochenblogs und offenen SVP-Sympathien. Katharina hat mich bekanntlich mehrmals einen Faschisten geschimpft.

    Wie sagt es ein Teilnehmer in der Lounge:

    "man kann nicht andauernd linke und ausländer verächtlich machen, ihnen die schuld an allem was schiefläuft in die schuhe schieben, sie zum feind stempeln etc. und dann, wenn einer kommt und das alles ernst nimmt, empört jegliche verantwortung von sich weisen. der killer hat in derselben szene verkehrt, in der sich auch z.b. freysinger und schlüer bewegen, hat denselben ideologien gehuldigt wie sie auch hier von der rechten szene vertreten werden, war "christlich konservativ".
    der killer ist einer aus euren reihen."

    Hat der Autor dieser Zeilen wohl auch schon mal sein Hirn angeworfen und so angestrengt nachgedacht aus wessen "Reihen" die RAF-Terroristen kamen, damals in den Siebzigern? Man müsste mal Helmut Schmidt mit der These konfrontieren, dass die SPD die Monster der Baader-Meinhof-Bande selbst gezüchtet habe...

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  8. Es gäbe übrigens noch etwas Drittes, als was man Breivik betrachten könnte: als einen Künstler!

    Ich meine, seit Beuys und Hirschhorns und Castorfs, dem Italiener, der seine eigenen Fäkalien in Dosen abfüllte, dem Amerikaner der eine US-Flagge vollschiss und ausstellte, um gegen den Vietnamkrieg zu protestieren, seit Günther von Hagen, der echte Leichen in Sexstellung präpariert - seit dem Dogma, das alles Kunst ist, das der Betrachter als Kunst empfindet oder der Erschaffer als solches bezeichnet...vielleicht war ja das alles eine riesige Performance eines Performance-Künstlers, der zwar nicht ganz an das Spektakel der 9/11-Attentate heranreicht, aber dafür seine Kunst in einem 1500-seitigen Essay erklärt und analysiert.

    Etwas drastisch, diese Art der Umsetzung, aber ganz neu und ungewohnt, die Herangehensweise, es ging ihm um den Ausdruck, um die Botschaft, um ein Statement mit gesellschaftlicher Relevanz. Sehr expressiv. Und doch so angelegt, dass Improvisation und Zufall eine Rolle spielen, wie bei jeder guten Performance.

    Man könnte lachen, wenn es nicht zum Heulen wäre.

    Damit will ich nur zeigen, dass, wenn man den gegenwärtigen Grad des Zerfalls aller Wertmasstäbe, den absoluten Werterelativismus zum Beispiel im kulturellen Bereich zum Massstab nimmt, kann man durchaus zu jener Schlussfolgerung kommen. Wer möchte schon darüber entscheiden, was Kunst ist und was nicht...das ist ein Unterfangen, das in unserer pluralistischen und offenen Gegenwart keinen Platz hat, nicht wahr, das wäre altes Denken, reaktionär geradezu!

    Dafür haben Adorno und Horkheimer und Co. gesorgt. Die "Kultur des Todes" nannte sie der Papst aus Polen. Postmoderne Beliebigkeit. Wirklichkeit als Abklatsch eines Videospiels. Alles eine grosse Show von Bedeutungshülsen, Geschlecht, Kultur, Tradition, Identität, Macht, Körper. Laisser-Faire.

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  9. seit wann nehmen sie das lounge-stammtischgeschwätz ernst, o.? diesem zufolge müsste ich so etwas wie der weibliche ivanhoe sein, und wirklich, die absurdität dessen ist bezeichnend.

    dennoch möchte ich daran erinnern, dass ich 'meinem' nietzsche gegenüber durchaus kritisch eingestellt bin. bei aller bewunderung.

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  10. Meine Entgegnung auf Moras schlaflos durchwachte Nacht in Sorge um das Heimatland (siehe ihren Eintrag an anderem Ort):

    Liebe, Mora du hättest genausogut schreiben können: obwohl ich das konservative Gedankengut und die meisten der Anliegen der SVP unterstütze, finde ich sie eine brandgefährliche Partei.

    Wie verdreht ist denn das?

    Die Diagnose stimmt absolut, auch für mich waren und sind es drei Punkte, weshalb ich SVP vor vier Jahren gewählt habe, seither gewählt habe und wohl im Herbst wieder wählen werde:

    1) Der Fall GPK/Roschacher: ein von der tüpierten Bundesanwaltschaft (!!!!) eingefädeltes Komplott zur Mitschmutzbewerfung eines amtierenden Bundesrates. Wie gutschweizerisch und "anständig" war das denn? Die denkwürdige Pressekonferenz, wo das Meier-Schätzli ein feuchtes Höschen bekam, als sie die Lüge verbreiten durfte...sie bleibt in wacher Erinnerung. Meier-Schatz, Daguet, Geri Müller, Glasson, Suter, Janiak - hat sich auch nur einer je entschuldigt?

    2) Die vom Berner Gemeinderat bewilligte Gegen-SVP-Demo am gleichen Tag, als die SVP den Bundesplatz gemietet hatte - ich war als verdutzer Zuschauer dabei. Das Klima des schwelenden Hasses, der linken Gewaltbereitschaft, der Verachtung für la Suisse profonde, für all die einfachen, braven Leute aus der ganzen Schweiz, die im Swissness-Tshirt und mit Kantonsfähnli bewehrt mit Parteifreunden mal auf dem Bundesplatz Präsenz markieren wollten, Bierzelte und Orchester standen bereit - ich hatte diese Verachtung, diesen Hass nie so erlebt, wie an diesem Tag. Die Gewalt kam vin Links, und ausschliesslich von Links!

    3) Die Abwahl: es ging einzig und allein darum, der Partei zu schaden. Schadenfreude herrschte für die ganze Fernsehnation sichtbar an jenem denkwürdigen Morgen nach der Nacht- und Nebelaktion. Niemand würde irgendetwas an jenen dreckigen Spielchen der Parteieliten im Bundeshaus (unter Beteiligung vieler CVP und FDP-Parlamentarier) auszusetzen haben, wenn sagen wir ein paar Tage im Voraus Frau Schlumpf portiert worden wäre. So war es nichts als feige und hinterhältig.
    Und bis dieser Fehler korrigiert ist und die grösste Partei mit 2 Vertretern in der Regierung ist, solange werde ich und mit mir noch sehr viele andere Leute SVP wählen!

    Weltwoche: wenn ich im mamablog nicht mehr sagen kann, was ich möchte, dann mache ich halt einen eigenen Blog auf. Wenn die grossen Medienhäuser ganz bestimmte gesellschaftliche und politische Positionen und Botschaften nicht mehr wiedergeben (schreiben, was ist!) sondern grösstenteils verleumden, dann muss sich halt eine Gegenpresse formieren. Zum beispiel die WoZ.

    Constantin Seibt! Es ist vollkommen irrelevant was ein langjähriger WoZ-Schreiber über die SVP findet und meint. Oder ist es relevant, was Herr Schlüer über den Charakter von Frau Mauch und Konsorten so meint? Eben.

    Wenn man für die freie Marktwirtschaft und Unternehmergeist einsteht, möglichst wenig Staat will, der den Bürgern beim Leben dreinredet und sie unterstützt und ihnen dafür immer mehr Geld wegnimmt, wer einen Anschluss an die Europäische Union als falschen Weg erachtet, wer findet, dass ein so kleines Land die Einwanderung steuern sollte, wer die Eidgenossenschaft mit ihrem funktionierenden Sozialwerken und Institutionen erhalten möchte, wer sich nicht schämt Schweizer zu sein und das Land in seiner Vielfalt liebt, wer sich hier zuhause fühlt und partizipiert und die hiesigen Menschen in ihrer umständlichen, komplizierten, manchmal etwas spröden, zurückhaltenden Art mag - wieso sollte jemand, der sich in all dem wiedererkennt, wieso sollte der nicht SVP wählen?

    Findest du nicht auch, dass es langsam an der Zeit ist, die SVP als stinkmnormaler Teil der Schweiz, als konservative Volkspartei zu akzeptieren? Im Angesicht der Tragödie in Norwegen jetzt zu Jammern und wahlweise gefährliches Gedankengut zu orten oder Populismus zu beklagen - ich finde es schlechten Stil.

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  11. Gut geschrieben, O, auch wenn ich für meinen Teil auf die Wahl der SVP verzichte.
    Kann mir mal jemand sagen, wo diese nebulöse Lounge zu finden ist, auf der man derartige Antworten formulieren muss?

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  12. Sie finden sie auf www.fufislounge.blogspot.com

    Ein Saftladen voller aggressiver, übelgelaunter Leute. Sie werden sehen.

    Haben sie das Manifest gelesen, Hitz? Ich habe leider null Zeit momentan, habe nur am Sonntagabend ein wenig drin runtergescrollt. Es ist im Wesentlichen eine Essay-Sammlung. Und selbstverständlich ist es nicht alles "irres" Zeugs, das da drin steht, wie es die Journalisten schreiben (die vermutlich noch nie im Leben eigene Gedankengänge beschritten haben, sondern nur wissen, dass "Clash of Civilization" da so etwas ganz Schlechtes ist...). Für gewisse Medienleute ist ja sogar die Bibel ein Buch, wo "irres Zeugs" drinsteht.

    Und ausgerechnet der Seibt schreibt: "Breivik schreibt von den 'Mainstream-Medien'die 'die Realität unterdrücken', macht lange Überlegungen zu einer 'national verbreiteten Zeitung, die die Konservativen vertritt', fordert die Ausweisung aller Muslime und beklagt, dass 'ganze Viertel Oslos unbetretbar seien' und bezeichnet so gut wie alle Medien und Parteien als links. (Er benützt dazu ein ziemlich schwerfälliges Lieblingswort 'Multikulturelle/Kulturmarxisten')."

    Das ist ja der blanke Hohn! Wieso wohl heuerte Seibt vor Jahren bei der linksradikalen WoZ an? Weil er selber noch nicht "mainstream" genug war? Weil die "bürgerliche Mainstreampresse" für den aus dem linken Zürcher Stadtsumpf aus Jugendkultur und Post-68 stammenden dann auch zu rechts war und er darum einen etwas strammeren Kurs in Richtung Gesellschaftsveränderung mit einer "national verbreiteten" Wochenzeitung suchte? Musste er zuerst seine linken Hörner abstossen, bevor er von Tagesanzeigers Gnaden in den Olymp der Textproduzenten befördert wurde und jetzt seine altbackenen, zynischen und zuverlässig globalisierungs- und kapitalismuskritischen sowie fest im linksalternativen Spektrum verhafteten Meinungen zu allem und Jedem absondern darf? Ich gönne ihm das, oh wirklich, manchmal lese ich den Schrott sogar. Aber er ist nicht wirklich ernstzunehmen, weil er kein wirklich unabhängiger Profijournalist ist. Sondern (wie Köppel, den ich allerdings gegenüber seibt für tüchtiger, intellektueller und skrupelloser halte) ein Demagoge.

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  13. Das muss ich mir bei Gelegenheit mal ansehen. Schlecht gelaunte und aggressive Leute haben gelegentlich einen recht hohen Unterhaltungswert, wenn auch mit leicht sadomasochistischem Touch.

    Nein, ich hatte bis jetzt auch nur Zeit für einige kurze Reinleser in das Manifest. Ich finde auch, dass da nicht alles so bescheuert klingt, wie man hätte vermuten können. Aber so wie ich das sehe, ist auch ziemlich viel Zitiertes und Kopiertes darin.
    Clash of civilizations halte ich übrigens für ein ziemlich gelungenes Buch, wenn man den leicht marktschreierischen Ton abzieht, der bei amerikanischen Autoren scheinbar häufig als Verbeugung vor dem Buchmarkt verwendet wird.

    Seibt ist eine alternde, vom Leben enttäuschte Journalistendiva. Auch wenn er jetzt beim Tagi als Vorzeige-Linker gehätschelt und getätschelt wird, bleibt doch die Tatsache, dass ein Journi, der einst für die WOZ schrieb und heute noch immer die selben simpellinken Platitüden von sich gibt, beim Tagi im Aus gelandet ist. Tschüsi, Revolution! Hallo Reformismus!

    Im Tagi waren die Kommentare zu dem Artikel über Glen Becks Äusserung, dass sich ein Lager der Jungsozialisten wie die "Hitler-Jugend" anhöre, wieder mal beelendend. Es scheint tatsächlich so, dass all die ach-so-demokratischen Wohlfühl-Linken es für einen Ausdruck echt demokratischer Gesinnung halten, wenn sie "konservativ" als Schimpfwort benutzen. Ich bin ja wirklich nicht für die Herrschaft einer Elite, aber manchmal frage ich mich schon, ob es nicht sinnvoll wäre, vollkommenes Unverständnis gegenüber Allem und Jedem und reine Dummheit unter Strafe zu stellen. Die Welt wäre auf einmal ein Ort mannigfaltiger Lesefreuden.

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  14. Ah ja, jetzt war ich auch "in der Lounge" und weiss ungefähr, was Sie meinen.
    Ich bringe übrigens den Verdacht nicht los, dass der mamablog-Bonmot-Generator Auguste niemals ihr guter bester Freund werden wird. :-D

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  15. Mannigfaltige Lesefreuden...deshalb haben wir ja diesen ort hier geschaffen, wo man sich nicht mit Tagi-Kommentarspalten-Ware rumschlagen muss, abgesondert von Leuten, die dem Irrtum erliegen, sie müssten zu allem und jedem eine Art Meinung äussern.

    Ach ich will ja den Seibt gar nicht so runtermachen. Ich finde er kann das sehr gut in seinem Erzählmodus, alles und jedes ist eine Geschichte bei ihm. Was ich hasse wie die Pest, wenn die Leute leuchtende Augen bekommen und von ihm schwärmen, als wäre er mehr als er ist: ein ganz einfacher Schreiber, der Glück gehabt hat und von einer Woge des linksfolkloristischen Urbanmainstreams dorthin gespült worden zu sein, wo er jetzt sitzt.
    Wirklich relevant ist er nicht, eben, im gegensatz bspw. zu einem Köppel.

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  16. ab und an, hitz, wenn ich gerade schlecht gelaunt bin, liebäugle ich mit dem platonischen wächterstaat - die idee eines philosophenkönigtums finde ich eigentlich ganz nett. dafür muss ich allerdings ziemlich schlecht gelaunt sein.

    o., ich weiss ja nicht, wie es ihnen geht, aber ich finde es überaus spannend, die argumentation von journalisten zu lesen, mit denen ich politisch das heu nicht auf derselben bühne habe. es schärft das eigene denken, und man läuft nicht gefahr, in der beschränkten kenntnis des ewig gleichen zu versauern.

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  17. @Hitz: ich weiss auch nicht, was diesen Mann leitet! Der hat sich nun seit anderthalb derart in mich verbissen, dass ich eigentlich nicht mehr von Stalking reden möchte, sondern eher von einer Amour fou (die allerdings nur einseitig ist - ich hege keinerlei homoerotische Bloggefühle für unlustige Blogwarte im abgewetzten Clownskostüm, im Gegenteil: mir ist das fast eher peinlich...)

    @Zoé/Hitz: hört bloss auf mit diesem Aristokratieplunder! Egal ob geistig oder wiesonst: das Heil liegt allein im Menschen selbst, im Individuum. Zwar läuft gewiss vieles mies, liegt das Meiste im Argen, weil die Mehrheiten nicht so denken, wie man selbst. Aber die Erlösung liegt ganz gewiss nicht in Volksstürmen, Revolutionen oder einer Diktatur der Wenigen. Diese Art der Heilsbringungs-Personifikation haben wir gerade letztes Wochenende miterlebt: es ist ein Irrtum, die Weltenbeglücker sind arme und grenzenlos eitle Idioten.
    Der Schlüssel zum Universum liegt im Einzelnen. Der heilige Gral kann nicht erobert werden wie ein Land, Parzival muss jahrelang Irrwege beschreiten, Kämpfe bestehen um endlich zu ihm zurückzukehren und seine Pflicht zu erfüllen, seinen Dienst zu tun.

    Das einzige was wir können, ist die Wahrheit immer und immer wieder laut in den Raum zu sagen, zu rufen. Sonst geht sie womöglich im Geschnatter der Kommentarfeldbediener und Wandelhallenschranzen unter. Und wir müssen das, selbst wenn wir dabei des Hauptes verlustig werden, wie der hlg. Johannes...!

    @Zoé: Auf welcher Bühne haben sie denn ihr politisches Heu?
    Wissen sie, wenn man so denkt wie ich, läuft man kaum je Gefahr "in der beschränkten kenntnis des ewig gleichen zu versauern", zumal ich mich ja nicht mit der Bibel in meiner Wohnung einschliesse, nur FoxTV empfange, Weltwoche und Schweizerzeit lese und dazu Wagner höre.

    Zudem: nennen sie mir einen richtig guten linken Journalisten, von dessen Argumentation (Argumentation, nicht runterleiern von möglichst gemeinen Ressentiments...) ich etwas lernen könnte!

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  18. weshalb wohl sagte ich, o., dass ich schon sehr übel gelaunt sein muss, wenn ich mit platons staat liebäugle?

    lesen sie daniel ryser. und lesen sie zur einstimmung diesen kurzen artikel über ihn, er wird sie erheitern:

    http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=93747.

    ob sein ex-kollege kaspar surber derzeit etwas taugt, weiss ich nicht, denn ich lese die woz nicht. früher bei saiten gab es immer wieder mal einen ansehnlichen artikel von ihm, beispielsweise diesen:

    http://www.medienpreis-ostschweiz.ch/gewinner/reportage/pdf/2006_Kaspar%20Surber_Der%20Kurier%20des%20Kebab-Koenigs.pdf

    ich kämpfe mich meinerseits mit einigen weltwoche-autoren ab, da ich je nach sachlage sehr viele politische positionen vertreten kann - nur eben keine der svp. gegen das minarett würde ich allerdings immer wieder stimmen, nicht jedoch für ein kopftuchverbot. nur zu, werfen sie mir jetzt inkonsequenz vor.

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  19. Aha, die St. Galler Connection...
    Kannte beide nicht. Ja, schöne Reportagen sind auch was. Ein Tagimagi-Mann (war es Max Küng?) schrieb vor einiger Zeit so farbig von seiner Reise zu den Sardinenfischern in Portugal, dass man nicht nur Hunger bekam, sondern am liebsten gleich ein Reisebüro aufgesucht hätte und Zürich-Algarve einfach gebucht hätte.

    Aber die wahre (Meinungs-)macht liegt bei den Politjournalisten der Tageszeitungen und den Chefredaktoren. Beim Tagi, pardon, die Zeitung lese ich integral als (fast) einzige wirklich jeden Tag, tummeln sich in der zweiten Reihe einige ganz linke Gesellen, so z.B. Dario Venutti mit seinem Kommentar gestern wieder. Und von den Auslandkorrespondenten wollen wir gar nicht erst anfangen...

    Ich war nie für ein Kopftuchverbot. Das Minarett war streng genommen auch nur eine Symbolabstimmung, wofür es - streng geno0mmen - in der Schweiz keine Grundlage gibt und was gegen die eidgenössische Demokratietradition verstösst. Ich fand das ausgesendete Signal richtig. Unde es bleibt richtig, auch wenn es irgendein Knallkopf im trüben Norwegen auch empfangen hat.

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  20. kurz: anbei ein beispiel dafür, wie dieselben argumente von verschiedenen seiten gegeneinander ins feld geführt werden.

    "Vergebens sucht man in Nordeuropa einen breiten politischen Diskurs über den wachsenden Nationalismus, die Ausländerfeindlichkeit und den Rechtspopulismus, gepaart mit EU-Gegnerschaft. Diese Sprachlosigkeit entspringt der öffentlichen Hinnahme von politischen Unordnungskonzepten: Das Dogma der absoluten Meinungsfreiheit flößt den politischen und intellektuellen Eliten so viel Respekt ein, dass sie die Auseinandersetzung scheuen, ja gelegentlich einfach die Augen geschlossen halten gegenüber der politischen Realität." (Süddeutsche, Terrorismus aus der Mitte der Gesellschaft, 27.7.2011)

    man fragt sich: wenn allenthalben diskussionsbedarf besteht - weshalb wird dann nicht offen diskutiert?

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  21. O., du hast wohl nur meine SVP-Kritik zur Kenntnis genommen, die Bemerkungen zur Sozialdemokratie scheinen dir entgangen zu sein. Wie kann das passieren, mein Lieber?

    Zoé, weiter so!

    Herzliche Grüsse, Eure M.

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  22. mora, wir wissen ja, dass unser o. sich bisweilen darin gefällt, selektiv zu lesen und zu antworten. dafür sind wir da: um ihn zur not an all die unterschlagenen gesichtspunkte zu erinnern.

    ich hoffe, dein buchprojekt kommt gut voran! die schilderungen deiner schreibumgebung haben es mir jedenfalls angetan.

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  23. @Mora: nein, meine Liebe, sie sind mir nicht entgangen. Aber genau deshalb erstaunt mich ja, dass du die SVP für so brandgefährlich einstufst, obwohl sie genau deine Kritik teilt. Blocher war derjenige, der den Sozis stets ihre eigene Ideologie vorgehalten hat und verdeutlicht hat, wohin linke Rezepte führen.

    Deine erschlaffte FDP und die CVP marschieren stets fröhlich mit den Linken, wenn es darum geht, das Land zu "modernisieren" (Gesellschatspolitik, Aussenpolitik, EU-Frage, Strafrechtsfragen, etc.) und verweigern sich ihrem natürlichen Partner beim konsequenten Widerstand gegen Sozialstaat und Wirtschaftsfeindlichkeit und steigende Gebühren/Abgaben/Steuerlast u.s.w.

    Die Leute - und hier gebe ich Hitz/Zoé etwas recht - sind zu doof um zu erkennen, dass wenn man nach immer mehr starkem, sozialem Staat ruft - etwa im Mamablog die Gebetsmühle mehr Krippenplätze - , man einen mächtigen und autoritären Staat bekommen wird, mit viel Bürokratie und am Schluss haben wir ein Monster, wie die interkantonale Bildungskonferenzdngsbums, die ohne demokratische Legitimation zentralistisch über stromliniengeformte Einheitslehrpläne entscheiden, die die Leute gar nicht wollen.

    Die FDP war ein solides Bollwerk gegen den Kommunismus, aber das ist nun einige Zeit her. Die Steinegger-Ära hat die Partei viel gekostet, den Bührer hingegen hätte man besser behalten. Selber schuld! Neue Zeiten, neue Parteien.

    Die Stellen mit "Enteignungen und Verstaatlichungen" und der Überwindung des Kapitalismus im NEUEN (!!!) SP-Parteiprogramm finde ich persönich brandgefährlicher als der brünstige Walliser Stier, der die Kuh flachlegt oder ein Schäfchenplakat oder einen Ivan S.

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  24. der autoritäre (überwachungs-)staat, mein heutiges stichwort. sowohl der tagi als auch der spiegel berichten von plänen zur einrichtung einer umfassenden kontrolle des internets. schon sind die ersten politiker in unseren breitengraden bereit, im schatten der ereignisse von oslo ein stück unserer liberalen gesellschaftsordnung zu opfern. anstatt sich ein beispiel an den norwegern zu nehmen.

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  25. Ach, O, Sie haben ja Recht, aber zwischendurch erfreue ich meinen Geist einfach mit kindischen Allmachtsfantasien, in denen ich Hirnamputierte ehemalige Genossen, die jetzt im sicheren Hafen der Beliebigkeit und der Schmuse-Versatzstücke gelandet sind, mit spitzen Stöcken quäle. Das muss doch erlaubt sein.
    Allerdings ist mir klar, dass solche Fantasien nicht dafür geeignet sind, Realität zu werden. Alleine schon, dass Zoé ähnliche Fantasien hegt und mit mir Mitaristokratin werden könnte, bremst meine Fantasien aus. Ich bin mir ja sicher, dass wir strenge aber ungerechte Herrscher wären, aber spätestens, wenn wir in eine Diskussion über den Islam gerieten, befänden wir uns schon in der unangenehmen Situation, dass wir unsere Truppen gegeneinander aufmarschieren lassen müssten.
    Also, bescheiden wir uns weiterhin mit unseren genügsamen irdischen Existenzen.

    Dass es übrigens keinerlei linke Journalisten gäbe, deren Texte man mit Gewinn lesen kann, ist eine gewagte Einschätzung.
    http://www.redaktion-bahamas.org/
    Die Clowns auf dieser Seite produzieren immer wieder mal ausgezeichnete Analysen, mit denen man nicht unbedingt einig gehen muss, die aber nicht so einfach zu zerpflücken sind wie ein Auguste, Tiger, Seibt oder ähnliche Phrasomaten.
    Das einzig dauernd störende an ihren Texten ist das Antideutschtum bzw. der Deutschenhass, der immer wieder durchschimmert und den ich einfach nur armselig finde.

    Ein Text zu Norwegen, der Ihnen unter Umständen gefallen könnte, ist übrigens hier zu finden:
    http://www.sezession.de/26028/norwegian-psycho.html

    Diese Seite ist dann auch absolut nicht-links. Um die Sezession zu lesen, muss man vielmehr schon so weit sein, dass einem irgendwelche Meinungen über die eigene politische Ausrichtung mittlerweile furzegal sind.

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  26. he, hitz, wer hat gesagt, dass ich keine kleopatra-qualitäten habe? vielleicht könnte ich sie einlullen, indem ich mich in einen teppich einrolle und meine weiblichen qualitäten spielen lasse... lady macbeth wäre ebenfalls eine inspirationsquelle.

    wobei, wenn ich es recht bedenke: so eine frau bin ich einfach nicht. dann also doch der ehrliche truppen-aufmarsch, jean-d'arc-style.

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  27. Ich bin schon auch eher für Truppenaufmärsche, wobei diese durchaus auch eine willkommene Gelegenheit sein könnten, den Bestand an Hirnamputierten in Form von Fusssoldaten zu dezimieren. *hüstel*
    Kleopatra hatte ohnehin eine bescheuerte Frisur.

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  28. hitz, die spitze feder sollte gegen die hirnamputierten vollkommen ausreichen, meinen sie nicht auch? wobei, wahrscheinlich zählen sie mich auch zu diesen, inklusive bescheuerter frisur etc.

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  29. Aber ihre Nase, Hitz, was für eine Nase...!

    Es ist doch erstaunlich, dass seit meiner ersten grossen Blogphase (damals freilich nur als Konsument) in den Jahren 2003 bis 2006 heute die Namen all jener Blogs in den Medien auftauchten, die damals noch in den Kinderschuhen existierten, aber an die ich mich schon auch erinnere.

    Die Achse des Guten, Politically Incorrect, dazu kam noch Statler & Waldorf, Broder natürlich, Lizas Welt, Davids Medienkritik, Greg Grabinski, Little Green Footballs und imao.us - damals alles wegen des erdrückenden Antiamerikanischen Klimas wegen des Kriegs gegen den Terror.

    Gates of Vienna und das Brussels Journal kenne ich nicht.

    Zwei Jahre später wurde ich dann beim Berner eBund aktiv wo sie mich schliesslich hinauswarfen, obwohl mich der Chefredaktor sogar in seinem Wochenkolumne zitiert hatte (wohlwollend). Hernach Mamablog.

    Und wie es scheint, gibt es Leute, die diesen meinen Weg aufmerksam verfolgr haben.

    nein nein, ich würde es schätzen, hier noch eine Weile unter uns zu bleiben, bevor wir die Schrumpfhirne und Mutanten hereinlassen. ich hoffe sie können das respektieren.

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  30. o., da möchte man doch lauthals lossingen: wenn die königin will baden, muss das wasser duftend sein...

    http://www.youtube.com/watch?v=AJS9cyp9GqQ

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  31. Zoé, nein ich rechne Sie nicht zu den Hirnamputierten, keine Ahnung wie Sie darauf kommen. Wir haben abweichende Meinungen, aber ich werte das noch nicht als Anzeichen von Hirnlosigkeit, wenn jemand meine Meinungen nicht teilt. Sicherstes Anzeichen für Hiranmputationen ist das repetitive Dreschen von linken Wohlfühlphrasen oder auch von rechten Welt-Vereinfachungs-Phrasen. Leute, die zu differenziertem Denken fähig sind, dürfen von mir aus jede Meinung haben, die sie mögen.
    Aber nicht jede Frisur!!!!!!

    O: Stimmt, die Nase ist einzigartig. Auch ich habe meinen Asterix gelesen.

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  32. @Hitzix

    Ja, dnn müssen wir ja bloss noch aufpassen, dass uns der Himmel nicht auf den Kopf fällt! Und dass uns Mora, Falbala, Cleopatra oder Zoéla nicht noch den Kopf verdrehen und wir vor lauter Schreck vom Schild fallen!

    Wer warf den ersten Hering? Orlandix wars!

    p.s.: übrigens zählt Vercingetorix zu meinen all-time-heroes. Und die weiter oben erwähnte Jeanne sowieso. Aber wie ich schon privat sagte: meine historischen Kostüme habe ich fürs erste im Schrank versorgt, man kann nie wissen, was einem historisch interessierten Zeitgenossen als nächstes unterstellt wird. Wahrscheinlich darf man sich an der nächsten Fasnacht nur noch als Micky Maus oder als Negersklave in Lumpen verkleiden, um nicht verdächtig zu werden. Wobei ich mich bei solchen Partys sonst gerne als Hannibal Lecter verkleide. Tja, zum Glück hat der Breivik seine Opfer nicht auch noch aufgegessen...:-)

    p.p.s.: Das erinnert mich daran, dass ich noch zwei Bücher über die Kreuzzüge aus der ZB ausgeliehen habe. Kann ich die wohl noch zurückbringen, bevor Frau Landesväterin Sommarugas Rasterfahndung zuschlägt? Hm, ich mach das gleich morgen früh.

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  33. mit "historischen Kostüme" meine ich natürlich das Kreuzritter-Gewand. Es hat - das muss ich zugeben - einen vorübergehend etwas ramponierten Ruf.

    Leider! Denn Clermont-Ferrand 1095 ist ein schönes Tableau. Kraftvoll und inspirierend. Ein poetischer Raum, zu dem Idioten keinen Zutritt haben! Ach!

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  34. hitz, nach der lektüre des sezessions-textes stimme ich dem autor in seinen schlussfolgerungen weitgehend zu (dies gilt nicht für den gesamten inhalt, nebenbei bemerkt). selbst in unserem kleinsten medialen bzw. virtuellen umfeld kann man beobachten, wie treffsicher breiviks saat aufgeht, wie blind ihm so mancher direkt in die hände spielt. man möchte es eigentlich nicht glauben.

    die asterix-lektüre - und das habe ich immer besonders an ihr geschätzt - versorgt einen auf lebzeit mit einem soliden fundus lateinischer zitate für jede lage. gerade eben fällt mir folgender spruch ein:

    "Felix, quid potuit rerum cognoscere causas." (Asterix auf Korsika, Bd. XX; ursprüngliche Quelle: Vergil)

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  35. nachtrag zum obigen kommentar: wohltuenderweise gibt es auch in den linksgerichteten leitmedien noch leute, die das denken nicht verlernt haben:

    http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=me&dig=2011%2F07%2F29%2Fa0102&cHash=6b4fcc7e83

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