Mittwoch, 13. Juli 2011

Die neue Freizügigkeit der Freisinnigen


 von mila
 "Aufstand der Verzweifelten", titelte der Tagesanzeiger. Die FDP, so wird vermeldet, sei in den letzten Tagen mehrfach durch anrüchige Aktionen einzelner Exponenten aufgefallen, von der Enthüllungsaktion der Generalsekretärin der FDP-Frauen, Claudine Esseiva, bis hin zur Ankündigung des FDP-Nationalrates Filippo Leutenegger, auf den Herbst hin wieder zum journalistischen Kesseltreiber zu mutieren. 

Bereits ist von einer "Berlusconisierung der Schweizer Politik" die Rede, mittels derer der zwischenzeitlich abgestumpfte Parteiname auf Hochglanz poliert werden soll. 
Die Leuteneggersche Kampfansage beiseite genommen - war es allein die nackte Verzweiflung angesichts einer unentrinnbar anmutenden Wahlkampfniederlage, die die Generalsekretärin letzte Woche dazu veranlasst hat, sich vor den versammelten Voyeursaugen der Nation hüllenlos plakatieren zu lassen

Man ist versucht zu sagen: nein. Oder zumindest: das Problem zieht weitere Kreise, es fällt mit der scheinbar unaufhaltsamen Ausbreitung softpornografischer Ästhetik in der medialen Öffentlichkeit zusammen. Die Zeit benannte das Phänomen vor kurzem schlicht "Die nackte Gesellschaft".


Hätte Frau Esseiva den Artikel in der "Zeit" gelesen, sie hätte sich kaum auf das "sehr freizügige", nach NZZ-Lesart gar "gewagte" Unterfangen eingelassen. Iris Radisch, die Verfasserin, bringt es auf den Punkt: längst haftet derlei Nackedei-Einlagen nichts Gewagtes mehr an. Ärgerlich sei allenfalls, dass Frauen – in dem Glauben, sie seien nun endlich vom Sexobjekt zum Sexsubjekt aufgestiegen – im Akt des selbstinduzierten Aktes die triumphale Behauptung neuer weiblicher Souveränität erblickt haben wollen. Dass sie, indem sie sich nur allzu willig für das Fotoobjektiv ihrer Kleider entledigen, dabei womöglich weiterhin der "dominanten männlichen Verfügungsgeschichte über das nackte Frauenbild" in die Hände spielen, wird zur Nebensache oder wird gar nicht erst diskutiert. Radisch fasst es folgendermassen zusammen:


Iris Radisch
"(...) auch wenn die tapferen Softpornodarstellerinnen unbeschädigt oder sogar ehrenvoll davon kommen, hinterlassen sie einen ikonografischen Schaden in den Köpfen der Betrachter. Die trügerische Botschaft der emanzipierten und aufgeklärten Pornografie, dass weibliches Selbstbewusstsein und weibliche Unterwerfung unter männliche Körper- und Bildsprachen sich nicht länger ausschließen, ist vielleicht noch niederschmetternder als die alten Schmuddelbilder, die zwar furchtbar waren, aber den Vorzug der frauenfeindlichen Eindeutigkeit hatten. Die neue, sanfte und selbstbewusste Inszenierung von Nacktheit, die sich mit allen Erfordernissen der Frauenförderung scheinbar mühelos vereinen lässt, will allen nur Gutes. Ihr großer pornografischer Konsens gibt vor, dass es keine Ausgebeutete und keine Ausbeuter mehr gibt. In der erotischen Idylle, in der sich alle wohlfühlen, soll es keine Abgründe und keinen Hinterhalt mehr geben. Diese Idylle ist wie das Heidi-Klum-Universum (hallo, mora!) von allem Bösen, Schmutzigen und grob Frauenverachtenden gesäubert. Sie gleicht einem freundlichen Swingerclub der biopolitischen Vernunft, in dem niemand benachteiligt wird, der schön, fit und erfolgsbereit genug ist, um in ihm Aufnahme zu finden."  


Es macht es nicht besser, dass hierzulande anstelle deutscher Fussballerinnen männliche Politiker für einmal ihren weiblichen Kolleginnen vordemonstriert haben, wie man das entblösste Ich für politische Zwecke in Szene setzt - Girod 2007 im Kampf gegen Autoabgase, Schwitzguébel im Kampf für Waffen. Der schale Nachgeschmack bleibt dennoch, daneben die Erkenntnis, dass Esseivas Aktion allein dem Tages-Anzeiger nunmehr vier Berichte wert war. Ob es tatsächlich nötig ist, dass der Kommunikationsexperte Klaus J. Stölker der Tagi-Leserschaft erklärt, dass unsere Politiker "nackter, aber nicht intelligenter werden", sei dahingestellt. Hingegen stimmt es bedenklich, dass gemäss einer Zürcher Videoumfrage Frau Esseiva für ihren Mut "bewundert" wird, selbst wenn sich das Anliegen der Kampagne – Gleichberechtigung auf der Chefetage – dem durchschnittlichen Befragten offenbar nicht hinreichend erschliesst.  


Die Binsenwahrheit ‚sex sells’ als "Schwumm im Jungbrunnen" einer alternden Partei: sind das die politischen Botschaften, die wir uns wünschen? Warten wir bereits begierig auf die "nächste liberale Amazone, die sich auszieht"? 
Mir scheint, wir hätten als mündige Bürger dieses Landes Anständigeres, Handfesteres von unseren Vertreterinnen verdient. Schliesslich sind sie keine biopolitisch einwandfreien Ausgängerschilder für die dümmlichen Werbespots von Lätta. Dasselbe gilt selbstredend für ihre männlichen Pendants.

Kommentare:

  1. Auch wenn Radisch von fundamentalfeministischer Warte aus argumentiert, hat es natürlich was, was sie sagt.

    Aber da nach dieser Logik sowieso alle Männer Schweine und/oder potentielle Vergewaltiger sind - und ich ihr dieses Vorurteil gerne bestätigen will - hier eine Liste mit helvetischen Politikerinnen, denen ein softpornografisches Fotoshooting durchaus zum Vorteil gereichen könnte:

    - Nathalie Rickli
    - Anita Borer
    - Christa Markwalder
    - Evi Allemann
    - Chantal Galladé
    - Doris Fiala
    - Andrea Geissbühler
    - Ursula Haller
    - Brigit Wyss

    ...und natürlich das Dorli (damits auch von der CVP jemand schafft)

    (Man sieht, ich habe mich um Konkordanz bemüht).

    Keinesfalls mit noch weniger Kleidern sehen möchte ich:

    - Anita Thanei
    - Franziska Teuscher und Therese Frösch
    - Ruth Genner
    - Lukrezia Meyer-Schatz
    - Häberli-Koller Brigitte
    - Gabi Huber
    - Ursula Wyss

    aber das ist natürlich alles Ansichtssache.

    AntwortenLöschen
  2. Sexismus, Emanzipation,"Softpornographie" lese ich als Beschreibung. Auf mich wirkt es nur schamlos. Scham ist ein wesentlicher Bestandteil von Kultur.

    Darum finde ich Stöhlker schon bedenkeswert, wenn er festhält, die Politiker würden damit leider nicht intelligenter.

    AntwortenLöschen
  3. o., sie haben die alte textversion aufgeschaltet. herrje, der ganze feinschliff, alles umsonst...

    fiala??? ich halte es eher mit (ehemaligen) fussballern, so vom kaliber eines marcel koller.

    AntwortenLöschen
  4. Schöner Text, Zoé. Danke!

    Diese frühvergreiste Idee, die weder pfiffig noch witzig noch sexy noch intelligent noch originell, weder provokativ und schon gar nicht verständlich ist, diese oberlahme Null-Nummern-Kampagne, deren Slogan sich mir bis heute nicht erschliesst, ist die Bankrott-Erklärung der FDP, hervorgegangen aus den einst stolzen Liberalen, Gründer dieses Staates.

    Tiefer kann die FDP nicht mehr sinken.

    Zeit für ein Grounding.

    Ein ratloses FDP-Miglied

    P.S. Die Pornographie-Keule ist gut gemeint. Aber es geht schlicht um Dummheit - noch nie ein gutes Thema für Diskurse, weil so schnell erschöpft.

    AntwortenLöschen
  5. max, der verweis auf anständigkeit kommt nicht von ungefähr. ich sehe das ähnlich wie sie.

    AntwortenLöschen
  6. O., Sie haben vor lauter Entblätterungs-Fantasien hier brutal abgekackt, muss ich feststellen. Ts, ts, ts. Feinschliff im Eimer. Grauenhaft.

    AntwortenLöschen
  7. Meine Lieben, es gibt Frauen, die sehen mit Rollkragenpullover und Pludderhose, in Bergschuhen leider 100 Mal gemeingefähricher aus als diese Pute ohne Schildchen und ohne ein genitales Resthaar in verrenkter Position und halboffenem Mund.

    Anstand. Scham. - Geht es ein bisschen origineller, Leutz? Oder wart Ihr die Spin-Doctores hinter der FDP-Kampagne?

    AntwortenLöschen
  8. mora, wo du recht hast, hast du recht - von wegen pludderhose und bergschuh. aber es kann eben nicht jede eine monica belluci sein.

    by the way, ich kenne jemanden, der hat vor nicht allzu langer zeit an einer werbekampagne für fiala mitgewerkelt. eine höllenqual soll das gewesen sein. nicht auszudenken, wenn sie sich auch noch ausgezogen hätte...

    AntwortenLöschen
  9. Habe ich dir schon erzählt, dass ich käuflich bin?

    Meine FDP-Mitgliedschaft wurde von einem Baby-Head-Hunter meines innersten Kreises bezahlt, dazu gab es die Ohrringe, die ich schon lange wollte und eine Chanel-Sonnenbrille in Schwarz.

    Doris Fiala hat mir an einem Ball genau das Kompliment gemacht, auf das ich den ganzen Abend vergeblich gehofft hatte. Und nun - ja, der Mist ist geführt - liebe ich sie.

    Es grüsst das bestechlichste aller FDP-Mitglieder, das nun mindestens ein Tiffany-Diadem will, um weiterhin bei dieser degenerierten Losertruppe mitzumachen.

    AntwortenLöschen
  10. Ach, Texte verwechselt. Ist doch feingeschliffen genug, oder nicht?

    Mora, es gibt angenehmere und unangenehmere Gedankenbeschäftigungen, stimmt. Aber das Gejammere mit "Bankrotterklärung" ist dann doch etwas übertrieben. FDP als Gralshüterin von Anstand und Mittelmass? Die FDP hat in den Neunzigerjahren kräftig mitgeholfen, den Bürgerblock zu schwächen und mit den Linken in Richtung Europa zu marschieren. das rächt sich jetzt.

    ich habe die FDP stets als selbstverliebte Versammlung von trendigen Zofingia-Füdlebürger mit etwas Geld angesehen. Was ist auch das für ein Slogan: "Aus Liebe zur Wirtschaft". Liebe? Ich meine...what?

    Mir ist das abhandengekommene Erbe der FDP schnuppe. Ich bin für Saft und Kraft. Ich möchte sehen, wie der Freysinger-Stier zum Beispiel die Bruderer-Kuh mit wilder, schnaubender Leidenschaft übers Fald jagt, bezwingt und bespringt, so dass sie wimmernd nur noch um Gnade flehen kann.

    Hey Leute, erwachen! Es ist Wahlkampf!

    "Ikonografischen Schaden" - so ein Kuhfladen von Gouvernantentalk.

    Im Übrigen nehme ich gerne noch die Geraldine Savary auf die Liste, die zwar in der falschen Partei ist, aber dort eine sehr schöne Figur macht.

    AntwortenLöschen
  11. Ist O. noch nicht fertig mit dem Geschräubel am Feinschliff? Man sollte ihn zur Strafe in die FDP stecken!

    AntwortenLöschen
  12. Ich finde, Freysinger sollte besprungen werden und drangenommen, dass ihm Hören und Sehen vergeht. Wenn es noch eine Weile schmerzt auf dem Stühlchen in der Schulstube: Mir solls recht sein.

    AntwortenLöschen
  13. @Mora

    Doch ich finde es fängt mit guter Erziehung an. Zu der gehören auch Anstand und Schamgefühl.

    Was herauskommt, wenn es den Leuten an guter Erziehung mangelt dürfen Sie auch auf meinem Blog nachlesen und mich freut, wenn ich dort ganz viele Rückmeldungen, Tadel, Aufmunterungen, Hinweise bekomme:

    http://millionenjagd.wordpress.com/2011/07/10/beobachtungen/

    AntwortenLöschen
  14. O., deine rechtsnationale Verblendung, diese blöde Rhetorik geht mir auf die Eier.

    Die FDP war eine stolze, eine gute Partei. Ökologische Anliegen waren dort schon vor 50 Jahren gut aufgehoben. Soziale Belange hat der eine Flügel der FDP, wo ich mich wiederfinde, übrigens, immer als bürgerliche Grundtugend angesehen. Den Staat wollte die FDP nie zu Gurkensalat verarbeiten wie diese dumpfe Idioten-SVP.

    Im Schnitt gehören der FDP mit Sicherheit auch heute noch die fähigsten und intelligentesten Leute an.

    Ich weiss auch nicht, was los ist.

    Und jetzt: Ciao!

    AntwortenLöschen
  15. Das Thema an und für sich geht mir irgendwie am Allerwertesten vorbei, aber dass Sie, O, Doris Fiala als Entblätterungskandidatin genannt haben...ich bin...also...mir fehlen die...
    MIR IST SCHLECHT!!!!!!

    AntwortenLöschen
  16. Die Frage lautet: ist die FDP den Feinschliff überhaupt Wert?

    Übrigens: Doris Fiala - big fan, me too! Mir hat sie zwar noch nie ein Kompliment gemacht, aber bei Leuten wie ihr schimmert manchmal die herrliche, leicht herrische zackige Art der alten bürgerlichen Schweiz durch.
    Ich weiss nicht, mir gefällt diese Mischung aus Maggie Thatcher und Cruela de Vil. Rechte Frauen wirken oft zuwenig feminin, zu verbissen. Wie sehr linke übrigens auch. Und nicht jeder ist ein Augenaufschlag wie Galladés gegeben.

    Endlich ein Thema, das mir so richtig gefällt. Aber jetzt miss ich eider leider weg.

    (Kürzlich an einer Tischgesellschaft, es wollte keine rechte Stimmung aufkommen. Erst als man irgendwie auf das Thema "welches ist der attraktivste Politiker/die attraktivste Politikerin" hat den Abend gerettet, er endete in Heiterkeit und aber auch seriösen politischen Diskussionen.)

    AntwortenLöschen
  17. Welche Rhetorik? Es ist eine einfache Feststellung, dass sich dies nun rächt.

    Ich weiss, dass die FDP eine gute Partei w ä r e. Ich wähle sie aber nicht mehr, oder nur die Köpfe von denen ich ganz genau weiss, wofür sie stehen.

    AntwortenLöschen
  18. Max, ich habe mit Ihnen heute gesprochen...

    AntwortenLöschen
  19. cruela de vil - lol! leider muss ich mich aus der diskussion ausklinken, es warten familiäre verpflichtungen auf mich.

    mein schwager, selbst gemeindepolitisch tätig, hat mich fast so weit, dass ich die eine oder andere FDP-vertretung auf meine herbstliche wahlliste setze. vor zehn jahren hielt ich das noch für ein szenario des grauens, but then again: wir waren alle mal jung. und wählten links; komme da, was wolle.

    AntwortenLöschen
  20. mora, nur noch schnell: das wort, das den sexappeal des esseiverschen auftritts umreisst (und mir leider zu spät einfiel, ein tolles wort): aseptisch.

    AntwortenLöschen
  21. @ mila

    Frauen kommentieren den Sexappeal von Frauen? Ich wundere mich bei solchen Bildern, wie die wohl zwischen den Beinen aussieht und was sie im Bett wohl so zu erleben bietet. Das wäre in dem Fall Sexphantasie und nicht "-appeal"...

    AntwortenLöschen
  22. @O.
    Ich schaue wohl zuwenig Fernsehen, um da mitzureden. (Nämlich seit letzten Oktober gar nicht mehr).

    AntwortenLöschen
  23. Und nun, O, behaupten Sie auch noch, dass der Augenaufschlag Galladés irgendetwas anderes als einfach nur das Klimpern der unverfälschten Debilität sein könnte...Sie machen mir Angst...

    AntwortenLöschen
  24. @Max: ich sehe seit etwa drei Jahren nicht mehr fern, höchstens mal einen Zystigsclub oder eine Arena als Podcast.

    Was die Esseiva anbelangt (hat eigentlich jemand jemals von der gehört vor dieser Geschichte??): dieses schüchterne, verlegene, schuldbewusste Lächeln sagt alles. Spindeldürr. Verkrampft, nicht ein Jota lasziv. Man hört sie förmlich kichern mit schwacher Stimme.

    Aber bevor das hier zum Männertalk am Biertisch verkommt: Es zählen die inneren Werte!

    @Hitz: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Und macht unfrei (siehe letzter Thread). Jeder möchte die strahlende blonde, vollbusige Zwanzigjährige von der Coop-Kasse, aber die sind meist nicht verfügbar.
    Hingegen hat man mit Fiala eine fähige Politikerin (an der leider die ganz grossen Chancen vorbeigegangen sind), die etwas ungemein fleischlich-lustbetontes ausstrahlt und diese lüsterne Faszination des Cougar ausstrahlen.
    Ahh...von diesem Polit-Cougar liesse sich der Orlando gerne überraschen im Buschland!

    Gaööadé: sie sagen's, das Lispeln ist auch nur bedingt sexy. Aber sie müssen zugeben, dass sie den Augenaufschlag gekonnt einsetzt. Kulleraugen und gewinnendes Smile erweichen manches Männerherz.

    Was ist übrigens mit Anita Fetz? Rasse, wenig Klasse. Okay Kinderli, wie wärs mit einer letzte "schädlichen Ikonographie" für heute?

    Also, der röhrende Giezendanner-Stier jagt wie ein wildgewordener 40-Tonnen-LKW der feixenden Fetz-Kuh hinterher, fixiert sie im Maschendraht und geht unter ihren lauten Frauen-Streikschreien zu Werke. Beider Herz POCHt wie wild. Dem Giezi lupfts das Toupet vor Wollust.

    AntwortenLöschen
  25. jetzt, mein lieber o., haben sie endgültig einen ikonografischen schaden vor meinem geistigen auge angerichtet. nein, über giezendanners wollüstig hüpfendes toupet möchte ich nicht weiter nachdenken.

    max, aus eben diesem grund - der zwangsläufigkeit (?), mit der der männliche sexfantasie-apparatur-betrieb selbst von klinisch-sauberen nacktbildern angeworfen wird - würde ich es mir als politikerin verbitten, in derartiger pose aufzutreten. wobei, wie mora schon angemerkt hat: noch nicht einmal die nüchterndste sack-und-asche-gewandung schützt frau im zweifelsfall vor schmutzigen männlichen gedanken.

    umgekehrt müss(t)en sich politiker allem anschein nach mehr anstrengen: meine tagträumereien hat weder die hühnerbrust von schwitzguébel noch diejenige von girod beflügelt (über putin werde ich mich jetzt nicht auslassen). was mich zu der frage bringt: sind frauen prinzipiell wählerischer? ich denke schon. und bevor jetzt einmal mehr das argument vom dicken portmonnaie kommt, will ich es vorsorglich festgehalten haben: nicht jede frau ist käuflich.

    having said that: das grundsätzlich problematische am ganzen ist doch, dass die gesellschaftliche fixierung auf äusserlichkeiten, der zwang, sich auch optisch optimal verkaufen zu müssen, inzwischen auch vor der politik nicht halt macht. so dürfte obamas angenehmes erscheinungsbild entscheidend zu seiner wahl beigetragen haben (an den inhaltlichen kompetenzen für das präsidiale amt kann es jedenfalls nicht gelegen haben).

    AntwortenLöschen
  26. Ich sehe es eher so: es gibt Politiker, die wirklich etwas bewirken können und wollen und die einen Auftrag wahrnehmen. Das sind die wenigsten, es sind die Programmatiker, die Chefintellektuellen, die Charisamatiker, die Führerfiguren. Die laufen ausser Konkurrenz, sie sind schön allein durch ihre Kraft und Stärke. Die werden meist nicht Bundesrat.

    Dann gibt es noch die Strippenzieher und Liebfreundmitallen und fleissigen Kommissionsschaffer. Nach Ansicht von @zoé und @Mora sind das wohl jene, die "das Land vorwärts bringen", d.h. die in der Wandelhalle und im stillen Kämmerlein tragfähige Lösungen erarbeiten, die die bösen Linken oder die böse SVP per Referendum wieder in Frage stellen. Bei denen spielt das Äussere erst eine Rolle, wenn sie Bundesrat werden wollen und erstmals einer grösseren Öffentlichkeit bekannt werden.

    Und - drittens - gibt es die braven Fussvolk-Parlamentarier, die brav die Interessen irgendeiner der Lobbys vertreten und sonst nicht weiter auffallen, weder vor der Kamera noch in den hinteren Sitzreihen.

    Wenn sich einer von der letzten Gruppe also mal nackt ablichten lässt oder sonst einen Seich inszeniert, dann finde ich das nicht erheblich. Und diese Leute sollen durchaus hübsch aussehen, finde ich. Gutaussehende Menschen sieht man lieber an, sie haben einen dekorativen Zweck. Und natürlich spielt es eine erhebliche Rolle, ob genau das gleiche Anliegen von der nervös-aggressiven Cristine Goll vorgetragen wird oder von der keck smile-flirtenden Pascale Bruderer.

    Und eben, denn worum geht es eigentlich in einem Wahlkampf: sich als Kompromissfinder, als stille Arbeiter zu verkaufen, als einer, der während der Session mit jedem ein Bier trinkt und es gut kann mit allen? Nein, es geht darum, endlich mal zu sagen, was einen von den anderen unterscheidet und wohin das Land soll in den nächsten vier Jahren!

    (wobei das - zuegeben - bei Frau Esseiva nicht wirklich so klar wird).

    AntwortenLöschen
  27. heute die replik von nathalie weidenfeld an iris radisch in der zeit: sie rät jungen frauen,

    "sich nicht ideologische Scheuklappen eines überholten Altfeminismus anzuziehen, hinter dem sich zuletzt nur eine körperfeindliche und bildungsbürgerliche Ideologie verbirgt, die völlig an der Komplexität der Wirklichkeit vorbeigeht."

    anders formuliert: sich für geld auszuziehen ist nicht nur sexy und karriereförderlich, sondern auch noch fortschrittlich. nun ja: mit dieser 'komplexität' der wirklichkeit möchte ich mich lieber nicht befassen.

    AntwortenLöschen
  28. Komplexität der Wirklichkeit = Beliebigkeit und Trivialität

    Was Radisch schreibt, finde ich, stimmt schon: die Heidi-Klum-Welt, eine gänzlich aseptische Form des Körperkults ("mein Body", die körperliche Hülle als Instrument im Überlebenskampf), die sich nahtlos in eine beinahe faschistische Gesundheits- und Reinheitsästhetik einfügt, die in sog. fortschrittlichen Gesellschaften momentan um sich greift. Und das wiederum kommt den linken Gutmenschen und Planetenretter sehr zupass, die eine Menschheit möchten, die aus gänzlich emissionsfreien, sozialverträglichen und biologisch abbaubaren Individuen besteht.

    AntwortenLöschen
  29. Zwei Anspielungen sind im Text, die mir Sorgen machen:

    - Politarena mit Leutenegger: wenn die hochwohlgebornen SRF Service Public Bonzen kein Einsehen haben und lieber eine langweilige, brave, zahnlose Mitteparteien- und Magistraten-Arena programmieren, dann müssen halt Private die Wünsche des Publikums erfüllen. Ob es sich über Container-, Bauern-, Sauf- oder Politsendungen handelt ist egal: der Markt muss spielen.
    Ich finde, man sollte sogar die Einschaltquoten miteinander vergleichen und die Differenz bei den Zuschauerzahlen - im Falle, dass die De Weck-Arena weniger Zuschauer hat (höhö!) - sollte die SRG den privaten Produzenten aus dem Gebührentopf vergüten.

    - "Berlusconisierung"? Was soll das sein? Man nehme alle Italienklischees und packe sie in eine Tüte und beschrifte diese mit Berlusconi, und schreibe noch pfui! darunter. So funktioniert gegenwärtig die Italienberichterstattung über Italien in den Schweizer Medien.

    AntwortenLöschen
  30. o., über den provinziellen medienfilz unseres service public brauchen wir eigentlich kein wort mehr verlieren, oder? her mit leutenegger.

    berlusconisierung soll wohl eine elegante steigerungsform von boulevardisierung sein. immerhin böte der begriff referenzen auf die veline-(un-)kultur, die mit einigen von berlusconis ministerinnen einzug in die italienische politik gehalten hat, aber genau dieser eine erhellende punkt wird nicht aufgegriffen. somit bleibt die verwendung des begriff im rahmen der tagi-üblichen selbstgerecht-politisch-korrekten banalität verhaftet.

    messianische führerfiguren, dies auch eine lehre, die man aus der historie ziehen kann, werden für ihre parteien früher oder später zum problem, weil sie nicht selten über ihre halbwertszeit hinaus an ihrer scheinbaren unersetzlichkeit festhalten und damit den richtigen zeitpunkt für einen souveränen abtritt verpassen. dem ist die vorgebliche ohnmacht der bundesräte vorzuziehen - siehe die rezension zum buch von michael hermann in der letzten weltwoche-ausgabe.

    AntwortenLöschen
  31. Wissen sie, wenn sie "messianisch" weglassen, funktioniert ihre Aussage auch ganz gut. Ein verräterischer Missgriff.

    Blocher - der wie Berlusconi so etwa alle paar Tage totgesagt und -geschrieben wird - hat gar nichts verpasst. Er wird im Herbst mit dem besten Resultat aller NR gewählt. Er wollte gar nie abtreten (wieso auch?) er w u r d e abgetreten und zwar in den Arsch. Nach ihrer Logik hätte er nach dem Wahlsieg 2007 in aller Souveränität sagen sollen "Okay, ich merke, ich gehe den anderen 70% auf den Wecker, das möchte ich nicht, also tschüss zusammen", oder was?

    AntwortenLöschen
  32. habe ich von blocher gesprochen? er gehört meiner meinung nach noch nicht zur geschichte. ich hatte eher helmut kohl vor augen, an dem das damals noch unscheinbare graue parteimäuschen angela merkel nur deswegen vatermord begehen konnte, weil er sich selbst nicht eingestehen konnte, dass sein zenit zwischenzeitlich überschritten war:

    http://www.zeit.de/2000/06/200006.merkel_.xml

    AntwortenLöschen
  33. metaphern, o., ich bemühe bisweilen metaphern, die in meinen ohren schön klingen. in ihren vielleicht weniger. das nächste mal sage ich lichtgestalten.

    AntwortenLöschen
  34. Sehen sie, Frau esseiva hat sich ja auch nicht wirklich explizit ausgezogen, man sieht weder einen Nippel nicht einmal ein Decolleté, nur etwas Schulter - also nicht viel mehr als wenn sie ein Sommerballkleid anhätte - ihr "Ausziehen" ist auch eher metaphorischen Natur. Und das klingt in meinen Ohren, resp. schaut vor meinen Augen auch richtig gut aus.

    AntwortenLöschen
  35. dann geben sie sich mit recht wenig zufrieden. typisch mann halt.

    AntwortenLöschen
  36. Wenig wovon? Ich habe weiter oben eine Liste erstellt, wen ich fast noch lieber als Frau Esseiva in solcher Pose sehen möchte. Ich finde schon: besser mehr davon als weniger!

    Ob mit Balken oder ohne - es kommt auf den Charakter an. Und ich als grosser Fan von Ruby Rubacoure muss sagen: il Cavaliere hätte besser sie zur Frauenmnisterin gemacht als ein esseivahaftes Geschöpf wie Mara Carfagna im ewigen biederen, langweiligen Deux-Piece.

    Bei Ruby könte sodann auch niemand behaupten, die Männer gäben sich mit wenig zufrieden - sie verstehen was ich meine.

    AntwortenLöschen
  37. na na, die mara carfagna ist eine bildschöne frau im besten alter. der lack der jugendlichen ruby wird sich hingegen in wenigen jahren abgeblättert haben; das ist kein material, das gut altert. woher ich das weiss? weibliche intuition.

    wie gesagt, mir würde es ja schon genügen, wenn man einen marcel koller für eine der erwähnten margarine-werbungen gewinnen könnte. oder einen jogi löw (solange er sich eine butterstulle in den mund schiebt anstatt zu reden...). politiker hingegen dürfen ihre äusseren hüllen gerne anbehalten. wobei, das hier fand ich dann irgendwie doch erheiternd:

    http://www.google.ch/imgres?imgurl=http://farm3.static.flickr.com/2462/3646962829_d755c8e4fe_o.jpg&imgrefurl=http://connect.in.com/politiker/photos-1-1-1-f2a93ad34fbfca9482c9eb3445eef4a0.html&usg=__Vh8SmCwin14nicQldSFYEcNiv_E=&h=601&w=983&sz=474&hl=de&start=0&zoom=1&tbnid=eQf9BdOY6ou8EM:&tbnh=114&tbnw=186&ei=aD8hTtv_G47n-gbkpY2eAw&prev=/search%3Fq%3Ddeutsche%2Bpolitiker%26hl%3Dde%26client%3Dsafari%26rls%3Den%26biw%3D1017%26bih%3D907%26tbm%3Disch&itbs=1&iact=rc&dur=394&page=1&ndsp=21&ved=1t:429,r:11,s:0&tx=143&ty=73&biw=1017&bih=907

    AntwortenLöschen
  38. O, in einer anderen Sache: ich stelle fest, dass es bei Ihnen genauso lang braucht, bis Sie freigeschaltet werden im MB, wie bei meinem Alias. Kann sich um Tage handeln. Erst unter meinem Erst-Nick habe ich plötzlich keinerlei Probleme mehr. Sehr seltsam, gell? Und da lauert doch schon die schwarze Spinne, die gut austeilen, aber nicht einstecken kann.
    Schöne Ferien Ihnen allen.

    AntwortenLöschen
  39. Astrid, ja das ist bei mir auch so. Ich werde wohl einfach wieder mal den Nick wechseln müssen.

    Was meinen sie mit schwarze Spinne?

    Und: Ferien? Ich habe erst gerade einen neuen Blog aufgemacht, ich kann doch jetzt nicht in die Ferien!

    AntwortenLöschen
  40. astrid, ich möchte mich in diese dinge eigentlich nicht mehr einmischen, aber diejenige, die sie hinter dem rum tum tugger-nick vermuten, ist es nicht.

    AntwortenLöschen
  41. Wer denn sonst? Ich finde Rum Tum Tugger formuliert zu gut für Katharina. Ekelhaft diese Versteckspiele.

    Vor diesen Versteckspielen muss man sich geradezu verstecken :-)

    AntwortenLöschen
  42. aber astrid vermutet doch, dass es die amerikanische dame ist - oder täusche ich mich?

    AntwortenLöschen
  43. Dachte ich, ja! Und zwar, weil Sie sich auch gleich angesprochen fühlte.
    Der Nick hat mich natürlich früher schon an das gestreifte Tier erinnert, aber dazu formuliert es/er/sie zu scharf, oder nicht?

    AntwortenLöschen
  44. es ist auch nicht das gestreifte tier, das neuerdings als alien unterwegs ist. damit bleibt nur noch jemand übrig.

    im grunde ist es mir egal, wer sich unter welchen nicks im mb äussert - dort gehört die namenwechselei sozusagen fast schon zum guten ton (und ist so manches mal aus der not einer erfolgten sperrung geboren). zum problem wird das ganze für kleinere blogs, die von anonymen, die in den diversen foren unterwegs sind, unter beschuss geraten.

    AntwortenLöschen
  45. Ich weiss, 'alien', 'that simple' etc. Das Seltsame ist, dass ich mehr Probleme hatte mit meinem Alias - ist zum Teil überhaupt nicht mehr freigeschaltet worden. Erst als ich heute zum ersten Mal wieder A... benutzt habe, ging es ratzfatz. Seltsam, oder? Und wer immer Rumtumdingens ist: ich muss ihr/ihm übel an den Karren gefahren sein.
    Aber Du hast schon recht, Mila, ist eigentlich völlig egal.

    Hütet den neuen Blog, ich 'darf' für ein Weilchen in meine andere Heimat.... Ciao!

    PS: Ich habe sehr wenig Zeit im Moment (ja, stimmt, obwohl ich heute hier abhänge...), aber ich verfolge Euren Blog, allerdings ohne Beteiligung - aber ich schwebe sozusagen, wohlwollend und wertschätzend, über dem Ganzen. Well done so far!

    AntwortenLöschen
  46. in diesem fall wünsche ich schönen zweitheimaturlaub - und entschwinde selbst nach balkonien. bis demnächst, und danke!

    AntwortenLöschen